Afrikaner fürchten Rassismus

10. Juni 2006, 13:31
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WM-Teilnehmer zeigten sich beim gemeinsamen Sponsor-Auftritt über rassistisches Problem in Deutschland schockiert

Berlin - Afrikas WM-Teilnehmer zeigten sich am Montagabend beim gemeinsamen Auftritt ihres Ausrüsters Puma in Berlin schockiert über das Rassismus-Problem in Deutschland. "Es ist unfassbar, dass so etwas in Europa noch möglich ist", meinte etwa Angolas Stürmer Flavio.

Vor zwei Wochen hatte der ehemalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye mit seiner Reisewarnung für Ostdeutschland die seither heftig geführte Rassismusdiskussion ins Rollen gebracht. "Es gibt kleine und mittlere Städte in Brandenburg und anderswo, wo ich keinem, der eine andere Hautfarbe hat, raten würde, hinzugehen", sagte der ehemalige Diplomat. "Er würde sie möglicherweise lebend nicht mehr verlassen."

Baffoe fordert geschlossenes Vorgehen

"Absolut bedenklich", betonte Anthony Baffoe. Der Team-Manager von Ghana forderte einen Schulterschluss im Kampf gegen Rassismus, zu dem auch Fußballer einen wichtigen Beitrag leisten können: "Eto'o hat den Platz nach rassistischen Schmährufen verlassen, Zoro (Messina-Verteidiger von der Elfenbeinküste, Anm.)hat den Platz aus demselben Grund verlassen. Wenn die Mitspieler auch abtreten, dann würde man ein Signal setzen. Nur so kann es gehen", glaubt Baffoe. "Es ist wichtig, dass man dagegen geschlossen auftritt, denn nicht nur wir Schwarze können etwas für Schwarze machen. Die Österreicher, die Deutschen, die Italiener und die Spanier müssen auch was dafür tun. Di Canio (Lazio-Kapitän, Anm.)macht den römischen Gruß, kriegt eine Geldstrafe, spielt eine Woche später wieder und hat mit der Prämie die Strafe sofort wieder herinnen. Wo ist da die Sanktion?"

Schwerer Schlag

Trotz der jüngsten bedenklichen Entwicklungen hofft Flavio, dass die WM von Rassisten und Neonazis nicht als Plattform genutzt werden kann. "Denn das wäre ein schwerer Schlag für dieses Ereignis", sagte der 26-jährige Angreifer, der vor allem Bedenken im Hinblick auf das letzte Gruppenspiel von Angola am 21. Juni in Leipzig gegen den Iran äußerte. (DER STANDARD Printausgabe 31.05.2006)

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