Von der Erotik des Quereinsteigens

4. Juli 2006, 15:55
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Armin Wolf und Euke Frank Promi-Politik - Prominente Quereinsteiger im Porträt Czernin Verlag, Wien 2006 215 Seiten, 19,80 Euro.

Warum, fragt man sich unwillkürlich, wechseln Menschen überhaupt als "Quereinsteiger" in die Politik? Denn die Enttäuschungen sind, so scheint's, nicht zu knapp. Ex-FPÖ-Generalsekretärin und ehemalige "Willkommen Österreich"-Moderatorin Theresia Zierler berichtete, sie habe zu Anfang "jeden Tag ein Hakerl im Kalender gemacht - weil ich wieder einen Tag überlebt habe". Und der jetzige SPÖ-Abgeordnete und Ex-ORF-Anchorman Josef Broukal sagte: "Die ZIB war dagegen ein Lercherl."

Ernüchternde Bilanz

So viel zur ernüchternden Bilanz, die Quereinsteiger im Buch von Euke Frank und Armin Wolf, "Promi-Politik", ziehen. 17 "Quereinsteiger" interviewten Frank und Wolf ausführlich und differenziert, das Buch ist seriös recherchiert und flott geschrieben. So werden die Motive der erfolgreich Umworbenen etwas klarer. Etwa, wenn der ehemalige SPÖ-Spitzenkandidat für die EU-Wahlen 1999, Hans-Peter Martin, seinen ersten Kontakt mit Viktor Klima beschreibt. Es sei eine "unbegreifliche Form von Homoerotik" gewesen, sagte Martin ehrlich - "er war der Mann, ich war die Frau". Und Ex-STANDARD-Journalist Peter Sichrovsky, der für die FPÖ im EU-Parlament saß, meinte: "Irgendwie war es der Spaß."

Seit wann sind Parteien heiß auf Quereinsteiger? Schon immer, aber es war Jörg Haider vorbehalten, den Begriff modisch zu machen. Die FPÖ hat seit 1986 die meisten Quereinsteiger zu verzeichnen. Die Motive der Parteistrategen sind klar und berechnend: "Wir hatten ein Problem bei jungen, gebildeten Frauen", erkannte etwa SPÖ-Geschäftsführer Andreas Rudas - und holte Umweltschützerin Ulli Sima.

Dennoch sind "bunte Vögel" die Ausnahme: Nur 7 von 183 Nationalratsabgeordneten stiegen "quer" ein. (DER STANDARD, Printausgabe 31.5.2006)

Von Petra Stuiber
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