Geistesblitz: Eierstockkrebs auf der Spur

6. Juni 2006, 19:34
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Robert Zeillinger koordiniert größtes EU-Diagnoseprogramm

Während sich das öffentliche Bewusstsein für Brustkrebsvorsorge mit rosa Ribbons, Selbstuntersuchung und Firmensponsoring langsam etabliert, führt Eierstockkrebs in der öffentlichen Wahrnehmung vergleichsweise ein erschreckendes Schattendasein. "Zudem ist die molekulare Diagnostik für Brustkrebs - bei ebenfalls guter klinischer - erfreulich weit fortgeschritten", attestiert Robert Zeillinger, Spezialist für Krebsdiagnostik an der Medizin-Uni Wien.

Gegenteilig die Lage beim zweiten hormoninduzierten Krebsleiden bei Frauen: Beim Eierstockkrebs erlaubt die klinische Diagnose keine Früherkennung, und molekulare Möglichkeiten sind bisher nicht systematisch erforscht. Diese Lücke will der Naturwissenschafter Zeillinger, Koordinator von OVCAD (OVarian CAncer Diagnosis), einem EU-Schwerpunktprogramm zur Diagnose von Eierstockkrebs, schließen. Er ist dabei für die gesamte wissenschaftliche und administrative Abwicklung verantwortlich, "von der Konzeption bis zum Schlussbericht".

Im Vorfeld war es seiner Hartnäckigkeit, seinem erfolgreichen Team an der Med-Uni Wien und seiner eigenen jahrelangen Forschungserfahrung zu verdanken, dass der Schwerpunkt in das sechste Rahmenprogramm und nach Wien geholt werden konnte. Schon in der Mittelschule lag für den Amstettener die Wahl einer naturwissenschaftlichen Studienrichtung auf der Hand, um das "Geheimnis des Lebens zu ergründen und anwendbare Erkenntnisse zu gewinnen". Einstiegsdroge in die Humanmedizin waren für den Biologen Vorlesungen über Hormone, die Botenstoffe des Körpers.

Nach der Dissertation über ein Bakterium, das sich vom wichtigsten männlichen Geschlechtshormon Testosteron ernährt, wandte er sich der Frauenheilkunde zu. Hier konnte Robert Zeillinger seine Erfahrungen - auch mit autodidaktisch erlernten gentechnischen Methoden - einbringen. "Gerade in der Molekularen Onkologie wird der Fortschritt ganz stark durch die Wissenschaft geprägt. Erste Erkenntnisse stammen oft eher aus dem Reagenzglas als von Patienten."

Faszinierend an der Molekularen Diagnostik ist für Zeillinger, Jahrgang 1961, "dass sie uns ermöglicht, bei vielen Patientinnen das medizinische Schicksal vorherzusehen. Molekulare Marker lassen vieles erahnen, was sich erst später als Krankheit manifestiert. Dieses ungeheure Potenzial hat sich innerhalb weniger Jahre aufgetan."

Integrität und Integrationsvermögen stehen für den OVCAD-Leiter an erster Stelle: "Wir können nur dann etwas erreichen, wenn wir Personen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenspannen." Das EU-Projekt ist dafür ein gutes Beispiel: Frauen und Männer aus Medizin, Wissenschaften und Unternehmen aus Belgien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Israel und Österreich arbeiten an einem gemeinsamen Ziel - der frühzeitigen Diagnose von Eierstockkrebs -, "obwohl sie alle unterschiedliche Eigeninteressen haben". Robert Zeillinger koordiniert und kanalisiert diese so, dass eine rasche Umsetzung der Projekterkenntnisse in greifbare Anwendungen gewährleistet ist.

Das EU-Projekt ist "ein Meilenstein zur langfristigen Etablierung des Arbeitsprogramms ,Cancer Diagnostics' in Wien, das die Vorteile der Molekularen Diagnostik auch für die frühzeitige Erkennung anderer Krebsarten erschließen wird".

Einen weiteren Traum hat sich Zeillinger bereits realisiert: Die Freizeit verbringt er mit seiner Frau, die ebenfalls Biologin ist, im gemeinsamen "Privatzoo", einem großen Garten mit Gewächshaus, in dem viele exotische Pflanzen gedeihen. Die beiden gemeinsamen Kinder, 25 und 17 Jahre alt, brauchen ja nicht mehr ganz so viel Pflege. (DER STANDARD, Printausgabe 31.5.2006)

Von Astrid Kuffner

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Medizinische Universität Wien

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