Rosnefts Börsengang bleibt umstritten

11. Juli 2006, 16:11
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Experten mahnen wegen der Kreml-nahen und intransparenten Konzernführung zur Vorsicht

Mitte Juli geht der staatliche russische Ölkonzern Rosneft an die Börse. Die Unwägbarkeiten der kremlnahen und intransparenten Konzernführung lässt Experten zur Vorsicht mahnen.

Geplant ist, dass rund 15 Prozent der Rosneft-Anteilsscheine um etwa acht Milliarden Dollar in den freien Handel kommen. Gelistet werden die Papiere in London und in Moskau. Die 15 Prozent sind eine stark abgespeckte Variante. Ursprünglich hatte es geheißen, dass Rosneft 49 Prozent seiner Aktien emittieren werde, später sprach man von 30 Prozent. Mit dem bescheidenen Prozentsatz will man offenbar etwaige Forderungen mehrerer einflussreicher Minderheitsaktionäre nach besserer Corporate Governance hintanhalten. Rosneft gilt nämlich als ineffizient und höchst intransparent.

Fragen über Fragen

Der Börsengang jedenfalls wirft politische und rechtliche Fragen auf. So hat der Finanzguru George Soros Ende April in der Financial Times räsoniert, dass Rosneft vor allem ein Instrument des russischen Staates sei, der sich die Anteilsmehrheit und das Recht auf die Konzernführung behält. Der Kreml würde sich über die Einkünfte Rosnefts freuen, aber auch versuchen, mit dem Konzern andere politische Ziele zu erreichen. Laut Soros würden die Investoren - von der positiven Erfahrung mit dem Börsenliebling Gasprom verleitet - denken, dass es sich lohnt, sich mit einem vom Kreml geschützten Betrieb einzulassen. Der Preis dafür sei aber hoch: so behalte sich der Kreml das Recht vor, wichtige Informationen wie beim Gasprom-Deal mit der Ukraine zu verheimlichen. Auch würde die Stimme der ausländischen Aktionäre nichts gelten, gegen etwaige Inkompetenz und Korruption in der Führung hätte man keine Handhabe. Soros verweist auf Yukos.

Der Staat habe in einem Willkürakt den Konzern in den Boden gefahren und wolle jetzt, nachdem sich Rosneft durch eine umstrittene Zwangsauktion die größte Yukos-Fördertochter Yuganskneftegas einverleibt hat, durch den Börsengang Kassa machen. Die Yukos-Aktionäre hatten angekündigt, gegen Rosneft zu kämpfen. Die Erfolgsaussichten sind zwar gering, aber langwierige Rechtsstreitigkeiten stehen dem Konzern bevor. (sed, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.5.2006)

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