Schweiz: Aufregung um "Designerbaby"

6. Juni 2006, 13:02
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Kind wurde gezeugt, um dem Bruder mittels Knochentransplantation das Leben zu retten

Zürich – Ein genetisch gezielt gezeugtes Kind sorgt derzeit in der Schweiz für Aufregung. Das Mädchen Elodie, das erste „Designerbaby“ in diesem Land, hat ihrem Bruder Noah durch eine Knochenmarkstransplantation das Leben gerettet. Die Operation fand im Zürcher Kinderspital statt.

Designtes Baby

Elodie wurde vor einem Jahr in Belgien extra zur Rettung ihres Bruders in einem Reagenzglas gezeugt. Dieses Verfahren ist in der Schweiz verboten. Elodie wurde in Brüssel durch Auswahl der Samen des Mannes und Eizellen der Frau so befruchtet, dass sich gentechnisch eine Hilfe für ihren Bruder voraussehen ließ. Nach der Befruchtung hatte man das Embryo der Mutter eingepflanzt.

Nach der Geburt im Vorjahr konnte beim kleinen Mädchen die richtige Blutgruppe nachgewiesen werden, um Noah zu helfen. Die Transplantation fand nun am Wochenende im Zürcher Kinderspital statt, Elodie soll durch ihr gesundes Knochenmark ihrem Bruder das Leben gerettet haben.

Todkrank

Laut Auskunft der Ärzte geht es beiden Kindern gut. Noahs Immunsystem baue sich langsam auf, einzig die Abwehr gegen Viren sei noch nicht voll ausgereift. Die Transplantation wurde nötig, weil der Bub – wie seine Mutter – Träger der chronischen Granulomatose ist. Diese seltene Erbkrankheit ist tödlich und kommt laut erfahrungsgemäß vor allem bei Männern zum Ausbruch.

In der Schweiz ist man bisher skeptisch gegenüber dieser so genannten positiven Eugenik. Eine entsprechende Gesetzesvorlage ist in der Debatte, stößt jedoch auf großen Widerstand aus kirchlichen Kreisen und verschiedenen Organisationen. Auch in Österreich ist das Verfahren nicht erlaubt, auch hier herrschen vor allem ethische Bedenken. Befürchtet wird, dass künftig Eltern versuchen könnten, nicht nur Geschlecht sondern auch Intelligenz ihres Nachwuchses genetisch steuern – also echte „Designerbabys“ herstellen zu lassen. (red, DER STANDARD Printausgabe, 31.05.2006)

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