Bebenopfer vertrauen auf einfache Hütten

12. Juni 2006, 16:55
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Hilfe für das Katastrophengebiet in Indonesien kommt an – Vulkan verstärkt Aktivität

Bantul – Drei Tage nach dem schweren Erdbeben auf der indonesischen Hauptinsel Java ist die medizinische Versorgung vor allem in den ländlichen Gebieten zwischen Yogyakarta und dem Bezirk Bantul katastrophal“, erklärte ein Sprecher der Aktion Deutschland Hilft am Dienstag. Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono sagte beim Besuch im Katastrophengebiet, medizinische Hilfe für die Überlebenden sei nun am wichtigsten. Die Opferzahl stieg auf mehr als 5400 Tote.

Überlastete Spitäler

Die ausländischen Hilfslieferungen sind voll angelaufen. Mehrere hundert Tonnen Hilfsgüter sind inzwischen im Erdbebengebiet eingetroffen, vor allem Zelte, Decken, Wasserpumpen und Generatoren. Die einheimischen Krankenhäuser waren völlig überlastet. Frankreich schickte rund 40 medizinische Helfer, die Vereinigten Staaten, China, Katar und Singapur sagten vier Feldlazarette zu. Die Hilfe sei „schnell und wirkungsvoll“ angelaufen, weil alle Beteiligten schon für andere Einsätze vor Ort gewesen seien, sagte eine UN-Sprecherin in Genf.

Der Vulkan in der Nähe des Katastrophengebietes zeigte am Dienstag noch mehr Aktivität als am Vortag; über dem Krater war eine 900 Meter hohe Rauchwolke zu sehen. Im östlichsten Teil Indonesiens erschütterte ein weiteres Beben den Inselstaat. Die Erdstöße in der Provinz Papua erreichten eine Stärke von 6,0 auf der Richterskala, wie das Geophysische Institut in Jakarta mitteilte, das US-Bebeninstitut registrierte 5,6. In der Bevölkerung brach kurzzeitig Panik aus, Berichte über Opfer oder schwerere Schäden lagen nicht vor.

Besser Bambus als Zement

Viele Indonesier wollen ihre zerstörten Häuser durch traditionelle Hütten ersetzen. Dem Beben hielten einfache Konstruktionen aus Holz und Bambus vielfach stand, wie der Dorfälteste eines fast völlig zerstörten Dorfes östlich von Yogyakarta sagte, während in einstürzenden Zementbauten tausende Menschen starben. Vor der Katastrophe waren Zementbauten ein Statussymbol. Die herkömmliche Bauweise mit Holz, Stroh und Bambus war in Indonesien bisher als ärmlich verschrien. „Als ich gebaut habe, habe ich nicht an Sicherheit gedacht. Ich wollte mein Heim luxuriöser machen“, erzählt ein 50-jähriger Indonesier, der sein Haus und seine Werkstatt bei dem Erdbeben verloren hat. „Sobald ich wieder die Mittel dazu habe, werde ich nach traditionellen Techniken bauen.“ In seinem Dorf meiden die Menschen die wenigen erhaltenen Häuser aus Zement und Ziegelstein. (AFP, APA, DER STANDARD Printausgabe, 31.05.2006)

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    foto: epa/mast irham
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