Neuer Angriff gegen hartnäckige Keime

6. Juni 2006, 16:44
posten

US-Wissenschafter testen ein neues Antibiotikum gegen bereits resistente Bakterien

London - Das voreilige Verordnen von Antibiotika hat dazu geführt, dass heute etliche Bakterien bereits Abwehrmechanismen entwickelt haben und gegen viele dieser wirksamen Arzneimittel resistent sind. Doch US-Wissenschafter berichten in Nature über eine völlig neue Wirkstoffklasse, die auf einem anderen Weg als bisherige Antibiotika in den Stoffwechsel der krankmachenden Bakterien eingreift und ihr Wachstum verhindert.

Bisher blockierten die meisten Wirkstoffe die DNA-Replikation, die Proteinproduktion oder den Aufbau der Zellwand der Bakterien. Aus 250.000 getesteten Substanzen aus verschiedensten Mikroorganismen konnten die Forscher nun ein neues Molekül isolieren, Platensimycin, das gezielt das Protein FabF im Bakterium blockiert. Dieses reguliert die Herstellung von überlebenswichtigen Fettsäuren, die etwa auch in der Zellwand benötigt werden.

Neuer, erfolgversprechender Weg

Schon länger hatten Forscher versucht, die Fettsäuresynthese der Bakterien zu blockieren, allerdings hatten bisherige Substanzen teilweise erhebliche Nebenwirkungen und kamen daher nie zum Einsatz. Der neue Weg über FabF scheint zumindest in Tierversuchen erfolgversprechender zu sein: Bei mit Staphylococcus aureus infizierten Mäusen, die Platensimycin bekamen, minimierte sich die Anzahl dieser besonders in Krankenhäusern gefürchteten Erreger deutlich. Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

Zwar wirkt Platensimycin bei einem breiten Spektrum so genannter grampositiver Keime, beim gramnegativen Erregern wie Kolibakterien oder Salmonellen hingegen hilft die neue Substanz nicht. Experten befürchten, dass möglicherweise auch grampositive Bakterien gegenüber Platensimycin resistent werden.

Weitere Tierversuche und anschließende klinische Studien müssen nun beweisen, ob die neue Substanzklasse beim Menschen zum Einsatz kommen kann. Zu klären ist insbesondere, ob Platensimycin die Energieversorger in den Zellen (Mitochondrien) stört, von denen angenommen wird, dass sie aus Bakterien hervorgegangen sind. (grote/DER STANDARD, Printausgabe 31.5.2006)

Share if you care.