ORF-Redakteure finden diesen Werner beinhart

26. Juli 2006, 12:21
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Als hätte es eines letzten Beweises bedurft, dass Werner Mück die TV-Information zentralistisch führt ...

Als hätte es eines letzten Beweises bedurft, dass Werner Mück die TV-Information zentralistisch führt: Die Berichterstattung des ORF über "SOS-ORF" lieferte ihn am Montag.

Nach zehn Tagen Funkstille vom Küniglberg zeigte die Anstalt plötzlich in "ZiBs" Berichte von der SOS-Pressekonferenz. Auf Knopfdruck.

Eine ORF-Kamera war dabei, als "ZiB"-Moderator Armin Wolf den Robert-Hochner-Preis erhielt. Damals kein Wort von seiner Kritik an Zentralismus und Politzugriff auf die ORF-Information im TV.

Mück ließ sich die Bilder offenbar zeigen. Vor allem jene von ORF-Mitarbeitern, die Wolf stehend applaudierten. Manchen stellte er zur Rede, und das nicht freundlich.

Werner beinhart

Harsch ist der Umgangston des schwarzen Chefredakteurs auch ohne Standing Ovations für einen ORF-Kritiker. Sein Befehlston, wie ihn Mitarbeiter beschreiben. "Werner beinhart" quasi, ganz anders als in diesem Film.

Auch wenn er beteuert, er lasse sich mit guten Argumenten überzeugen: Diskussionen sind seine Sache nicht. Die große Redaktionskonferenz stellte er ein, schon um sich Debatten mit aufmüpfigen Redakteuren wie Wolf zu sparen. Nach heftiger Kritik gibt es die Konferenz wieder - wenn alle großen Themen fixiert sind.

Seit 2005 gibt er sich offener, lässt Wolf und nun Gabi Waldner "Sommergespräche" führen. Der Vielarbeiter besucht nun unzählige Events bis hin zur Werbegala. Das braucht ein künftiger Infodirektor des ORF nicht, lässt auf Ambitionen schließen, Generalin Monika Lindner abzulösen. Was er stets dementiert. Als ihn der Kanzlerchauffeur abends vor dem ORF absetzte, sahen viele die Vermutung bestätigt. Mück platzierte Schüssels TV-Ansprache 2005 am Infodirektor vorbei direkt nach der "ZiB 1". Als General müsste Mück auf seine auch für die Regierung harten "ZiB"-Analysen verzichten.

Dennoch hätte ein Generaldirektor Mück für die ÖVP Risiken. Nur mit Zweidrittelmehrheit absetzbar, längst im Pensionsalter könnte er ohne große Rücksicht seinem polternden Vorbild und Vorvorvorgänger Gerd Bacher nacheifern. Der schwört auf Mück.

Bacher holte ihn 1991 zum ORF zurück. Die Monate davor als Geschäftsführer der Wohnbaugemeinschaft WEB verwickelten ihn in einen der größten Wirtschaftsskandale der Republik. Wer auf Vorwürfe falscher Zeugenaussagen und seltsamer Provisionen zu sprechen kommt, den kann er auf rechtskräftige Freisprüche verweisen. Als Chefredakteur des ORF Salzburg vor dem WEB-Ausflug kritisierte ihn die interne Revision scharf für Abrechnungen.

Zum ORF kam Mück erstmals 1975, davor arbeitete er für Salzburger Nachrichten und Kurier.

Mück (61) ist zweifacher Vater und in zweiter Ehe verheiratet. Er adoptierte zuletzt zwei Kinder aus Äthiopien. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 31.5.2006)

  • ORF-Redakteure rebellieren gegen ihren bürgerlichen Chef Werner Mück.
    foto: der standard/corn

    ORF-Redakteure rebellieren gegen ihren bürgerlichen Chef Werner Mück.

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