Griechenland: Anschlag auf Kulturminister verlief glimpflich

1. Juni 2006, 17:03
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Keine Verletzten bei Explosion vor Wohnhaus - George Voulgarakis war bereits 2003 Ziel eines Attentats

Athen - Ein Bombenanschlag auf den griechischen Kulturminister ist Dienstag früh glimpflich ausgegangen. Die Explosion vor dem Haus von in Athen habe Autos zerstört, aber niemanden verletzt, sagte ein Polizeisprecher. "Es passierte, kurz bevor er zur Arbeit gehen wollte, er war noch zu Hause." Der 46-jährige Minister und die Regierung verurteilten den Anschlag als einen Angriff gegen die Demokratie. Niemand bekannte sich zu der Aktion. Die Polizei äußerte jedoch die Vermutung, dass es sich bei den Tätern um Vertreter linksradikaler Gruppen handeln könnte.

Voulgarakis hatte bis Februar das Amt des Ministers für öffentliche Ordnung inne und wurde nach einem Abhörskandal, der Griechenland wochenlang beschäftigte, ins Kulturministerium versetzt. Zudem geriet er unter Druck, nachdem knapp 30 pakistanische Einwanderer nach den Selbstmordattentaten in London im vergangenen Jahr Folter- und Misshandlungsvorwürfe gegen die griechischen Behörden erhoben. Voulgarakis wies jegliche Anschuldigungen zurück. Der Polizei zufolge könnte dieser Fall jedoch der Auslöser für den Anschlag am Dienstag gewesen sein.

Drei Kilo Dynamit

Voulgarakis war bereits zu seiner Zeit als Oppositionspolitiker vor drei Jahren Ziel eines Bombenanschlags. Damals wurden Fahrzeuge in der Nähe seines Hauses zerstört und die Polizei musste die Familie des Politikers in Sicherheit bringen. Nach Angaben der Polizei zählt der Minister schon länger zu den hochrangigen Politikern, auf die Attentate verübt werden könnten. Ein Sonderkommando der Polizei habe noch kurz vor der Explosion die Gegend um den Wohnsitz Voulgarakis nach Sprengsätzen abgesucht.

Erste polizeiliche Untersuchungen ergaben, dass die Täter bis zu drei Kilogramm Dynamit an einem Fahrrad befestigt und den Sprengsatz von etwa 30 Metern aus ferngezündet hatten. Durch die Explosion flogen Trümmer bis in nahe gelegene Straßen. Die Polizei regelte darauf die Gegend ab und schickte Bombenexperten sowie Spürhunde auf die Suche nach Beweisstücken.

In Griechenland sind nur noch selten größere Bombenanschläge verübt worden, seit die Polizei vor den Olympischen Spielen in Athen 2004 die Anführer einer terroristischen Gruppe festnahm. Die Mitglieder der Gruppe "17. November" hatten in knapp 30 Jahren 23 Menschen erschossen oder durch gezielte Bombenanschläge getötet. Einige linksradikale Gruppen verüben immer noch kleinere Anschläge, bei denen es jedoch selten zu größeren Schäden oder gar Opfer kommt. (APA/Reuters)

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