"ZiB" will "unbeeinflusst" arbeiten

19. Juli 2006, 13:54
137 Postings

ORF-Redakteure stellen Management und Stiftungsrat Forderungen

Die Redakteursversammlung der "ZiBs" hat Dienstag einstimmig an Stiftungsrat und Geschäftsführung appelliert. Das Ziel: "Unbeeinflusste, nur an Programmrichtlinien und Rundfunkgesetz orientierte Berichterstattung zu ermöglichen."

"SOS ORF" fordere wie die "ZiB"-Redakteure "Sicherung und Ausbau der Unabhängigkeit und Eigenverantwortlichkeit der ORF-Journalisten". Die Journalisten: "Wir freuen uns über alle parteiunabhängigen Initiativen, die das unterstützen, verwahren und aber gegen parteipolitische Vereinbarung."

Redakteurssprecherin Danielle Spera erklärte dazu dem STANDARD, die Bewerbung von SOS ORF durch die SPÖ mache es "schwieriger" für Mitarbeiter des Hauses, die Initiative zu unterstützen.

Die Forderungen von SOS und der ORF-Journalisten aber mögen "durch den öffentlichen Druck endlich Umsetzung finden", heißt es in dem Appell: "Wir erwarten von der ORF-Geschäftsführung, dass sie sich in diesen Forderungen hinter die ORF-Journalisten stellt." Und Mitsprache beim "Runden Tisch", die Generalin Monika Lindner angekündigt hat.

Kriterien für neue Geschäftsführung

Den ORF-Stiftungsräten schickt die Redakteursversammlung einen Brief mit Kriterien für die neue Geschäftsführung. Für den stimmte auch TV-Chefredakteur Werner Mück, zuletzt wegen Zentralismus und Politeinfluss heftig kritisiert.

Mück zum STANDARD nach mehrstündiger Sitzung: "Wir haben einander in offenem Dialog nichts erspart. Auseinander gegangen sind wir aber nicht im Streit, im Gegenteil" – mit dem gemeinsamen Brief.

Die Redakteursversammlung fordert darin ein Bekenntnis zur Information als Kernkompetenz des ORF mit ausreichend Ressourcen. Zudem: "Schluss mit der Schwächung der Information durch die Gesamtprogrammierung".

Die "Gestaltungsautonomie des einzelnen Redakteurs" fordern sie zurück und pochen auf das "Recht, mit dem Chefredakteur Entscheidungen zu diskutieren". Und: "Inneren Pluralismus durch interne Konkurrenz" in entsprechenden internen Strukturen, denn: "Eine zentralistische Führung lässt leicht Schlagseite aufkommen".

Aktionsdialog

Die Stiftungsräte sollen die Kandidaten für die ORF-Generaldirektion im Hearing darauf ansprechen. Die "ZiB"-Redakteure verlangen darüber einen "Aktionsdialog" mit der neuen Führung.

Dienstag stimmte der 18. Stiftungsrat für eine Sondersitzung über den Politeinfluss im ORF. Das ist erstmals seit 2001 eine Mehrheit gegen die ÖVP. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 31.5.2006)

  • Artikelbild
    foto: orf/schafler
Share if you care.