Bawag hält auch Notenbank in Atem

8. Juni 2006, 15:28
21 Postings

Notenbank-Chef harrt des Bawag-Vergleichs – OeNB-Reserven schmelzen weiter

Wien – Alle warten gespannt auf den Vergleich der Bawag mit den US-Gläubigern. ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer geht davon aus, dass es am Dienstag nach Pfingsten so weit sein wird – mit ihm hofft auch der Chef der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Klaus Liebscher. "Ich würde mich freuen über jeden Tag, den das früher als später abgeschlossen ist", sagte der OeNB-Gouverneur am Dienstag anlässlich der traditionsgemäß nach der OeNB-Generalversammlung abgehaltenen Pressekonferenz.

"Beunruhigt im Wortsinne" sei er ob der ständigen Verschiebungen des Termins für eine Einigung (sie ist für die Bilanzerstellung unabdingbar) "zwar nicht, aber egal ist es mir nicht", gab der Notenbankchef einen seltenen Blick auf sein Nervenkostüm frei. Schließlich habe er "Interesse daran, dass die Bank bald ihre Bilanz hat. Und", betonte Liebscher einmal mehr, "die derzeitigen Probleme sind Einzelfälle, Österreichs Bankensystem ist in Ordnung."

Neue Generalräte

Die Notenbank selbst hat nach dem Rücktritt von Bawag-Ex-Chef Johann Zwettler und ÖGB-Funktionär Georg Kovarik zwei neue Generalratsmitglieder bekommen: den neuen Bawag-Aufsichtsrat Max Kothbauer und den Papierindustriellen und ehemaligen ÖIAG-Aufsichtsratschef Alfred Heinzel. Beide wurden vom Finanzministerium nominiert – dem Bund gehören seit dem OeNB-Anteilsverkauf durch Bawag und ÖGB rund 70 (statt bisher 50) Prozent der Notenbank. Ob der Staat, wie allseits erwartet, auch die anderen Banken aus der OeNB auskaufen werde? Liebscher: "Zusätzliche Initiativen sind mir nicht bekannt."

Für 2005 hat der Bund 451 Mio. Euro (90 Prozent Gewinnanteil plus Körperschaftssteuer) von der OeNB kassiert. Sie hat im Vorjahr 488 Mio. Euro und damit um acht Prozent mehr verdient als 2004. Allerdings mussten die Notenbanker aufgrund gesetzlicher Regelungen Reserven auflösen. In seiner Rede in der Generalversammlung hatte OeNB-Präsident Herbert Schimetschek in dem Zusammenhang gewarnt: "Insgesamt stehen nur noch halb so hohe Eigenmittel wie 2001 für Anlagezwecke und zur Risikoabdeckung zur Verfügung, sodass der Spielraum nunmehr äußerst begrenzt ist." Und: "Das Ertragspotenzial der Bank hat sich markant verringert."

Verringern, und zwar um zehn Prozent, soll sich "mittelfristig" auch die Mitarbeiterzahl der Bank (derzeit 947). Zudem soll ab kommendem Jänner ein neues Pensionskassenmodell ausgetüftelt sein. Das begründete Liebscher so: "Die Erfahrungen haben uns gezeigt, dass sich Modifikationen anbieten." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.5.2006)

Share if you care.