Gazprom will Gaspreise für Weißrussland vervierfachen

8. Juni 2006, 13:52
posten

Ab 2007 soll Weißrussland 200 Dollar pro 1.000 m3 Gas bezahlen - Russland will Kontrolle über weißrussische Pipelines

Moskau - Der russische Gasmonopolist Gazprom will einer Zeitung zufolge die Erdgaspreise für Weißrussland vervierfachen. Wie die "Kommersant" am Dienstag unter Berufung auf Gazprom-Kreise berichtete, sei dies eine Reaktion auf die Weigerung des Nachbarlandes, Russland die Kontrolle über seine Pipelines zu übergeben. Gazprom nahm zu dem Bericht nicht Stellung.

Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew wies unterdessen die Forderung der Europäischen Union (EU) zurück, sein Pipeline-Netz für andere Länder und Firmen zu öffnen. Zudem bezeichnete er Pläne zum Bau einer Leitung von Kasachstan nach Europa unter Umgehung Russlands als "unrealistisch".

"Kommersant" zufolge will Gazprom ab 2007 von Weißrussland etwa 200 Dollar pro 1.000 Kubikmeter Erdgas statt wie bisher angekündigt 150 Dollar verlangen. Gegenwärtig liegt der Preis bei 47 Dollar pro 1.000 Kubikmeter. Seit Jahren verlangt Russland als Gegenzug für niedrigere Preise die Kontrolle über die weißrussischen Leitungen. Ein ähnlicher Streit hatte 2004 zur vorübergehenden Unterbrechung der Gasversorgung geführt. Auch Deutschland und Polen waren betroffen.

Geringere Auswirkungen

Die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen waren jedoch deutlich geringer als der Streit zwischen der Ukraine und Russland im Jänner. Am Ende musste die Ukraine einen Preis von 95 Dollar je 1.000 Kubikmeter Erdgas akzeptieren. Dieser Vertrag läuft bis Ende Juni. Ein Sprecher von Gazprom sagte am Dienstag in Sankt Petersburg, der Preis könne sich erhöhen, wenn die zentralasiatischen Zulieferer ihrerseits die Preise erhöhten. Da Gazprom die Leitungen aus Staaten wie Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan kontrolliert, können diese dem Konzern nicht die Preise diktieren.

In Europa wird seit dem Streit mit der Ukraine in Frage gestellt, ob man sich weiter auf Gazprom als großen Erdgas-Versorger verlassen kann. US-Vizepräsident Dick Cheney hat zudem Russland vorgeworfen, seine Ressourcen als Druckmittel gegen Nachbarstaaten einzusetzen. Die EU verlangt, dass Russland seine Leitungen für andere Firmen öffnet und entsprechend die Internationale Energie-Charta ratifiziert. Auch gibt es Überlegungen, sich mit einer trans-kaspischen Pipeline von der Abhängigkeit vom russischen Netz zu befreien.

Medwedew zweifelte in der "Financial Times" an, dass Kasachstan über eine ausreichende Ölproduktion verfüge, um die Pipeline zu rechtfertigen. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass ohne russisches Gas keine neuen Versorgungsprojekte zum Laufen gebracht werden können", sagte er. (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.