Profi-Betrieb soll ausgegliedert werden

14. Juni 2006, 20:57
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Sport-Staatssekretär Schweitzer will wissen, wo seine Gelder hinfließen - "Kapitalgesellschaften würden Transparenz bieten"

Wien - Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer (B) und Fußball-Anwalt Christian Flick haben den österreichischen Bundesliga-Klubs am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz im Haus des Sports die Ausgliederung der Profi-Lizenz-Abteilungen und deren Überführung in eine Kapitalgesellschaft empfohlen. "Wir haben die Vorgänge um die Lizenzierung aufmerksam verfolgt und uns als Förderungsmittelgeber natürlich Gedanken gemacht", verlieh Schweitzer seiner Sorge um den heimischen Fußball Ausdruck und fügte hinzu: "Wir wollen wissen, wohin unsere Gelder fließen."

Problemfälle stoßen sauer auf

2,7 Millionen Euro für das Projekt Challenge 2008 (pro Jahr), 14 Millionen im Rahmen der Besonderen Bundes-Sportförderung (pro Jahr), 1,3 Mio. zusätzlich für den Nachwuchs und 63 Mio. für die Infrastruktur der EURO 2008 (in den nächsten Jahren) investiert der Bund laut Schweitzer in den Fußball. Die negativen Schlagzeilen der vergangenen Wochen um die Bundesliga-"Problemfälle" Admira oder auch Sturm Graz stoßen Schweitzer daher umso saurer auf.

Auf die jüngst in der ORF-Sendung "Sport am Sonntag" geäußerte Forderung von Hannes Kartnig, wonach nun die Politik am Zug sei, wolle er nun mit dieser Anregung zu strukturellen Änderungen reagieren. Unterstützung erhält Schweitzer dabei vom Grazer Juristen Flick, der in der Ausgliederung der Profi-Abteilungen gleich mehrere wesentliche Vorteile sieht: "Man kann sich internationalen Entwicklungen nicht verschließen. Kapitalgesellschaften bieten mehr Transparenz und auch Verbesserungen im rechtlichen Bereich. Die enge Verbindung mit dem Firmenbuch sorgen für gerichtliche Kontrolle."

Internationaler Trend

Flick verweist auf Beispiele im Ausland: "In Deutschland ist es seit Jahren üblich, dass Profi-Abteilungen aus dem Verein ausgegliedert werden und ein eigenes rechtliches Schicksal haben. Wenn die Profi-Abteilung etwa insolvent ist, ist der Rest des Vereins nicht davon betroffen. In Österreich gibt es noch keine derartige KG."

Schweitzer ist zwar grundsätzlich der Meinung, "dass es schlecht ist, wenn man erst dann nach der Politik ruft, wenn der Hut schon brennt", kündigte aber an: "Wir wollen mit den Vereinen über diese Möglichkeiten diskutieren. ÖFB und Bundesliga haben bereits Interesse signalisiert." Flick erblickt in der Gründung von Kapitalgesellschaften eine Chance zur "Verringerung der Abhängigkeiten von bestimmten Personen". "Die internationale Entwicklung geht eindeutig weg vom Mäzenatentum."

Rettung der Admira-Nachwuchsakademie geplant

Unabhängig vom Schicksal der Admira als Profi-Klub ließ Schweitzer mit einem Plan zur Rettung der renommierten Nachwuchs-Akademie der Südstädter aufhorchen. "Das Sport-Staatssekretariat wird ÖFB-Präsident Stickler im Rahmen des Bundessport-Fördergesetzes einen Vorschlag zur Rettung der Admira-Nachwuchsakademie machen." Man werde Stickler vorschlagen, ein von der Admira zu stellendes Förderungs-Ansuchen "positiv zu erledigen", um den Fortbestand der niederösterreichischen Talente-Schmiede zu sichern. (APA)

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