(Wieder-)Entdeckung der Leipziger Kunstszene

4. Juni 2006, 17:03
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Ausstellung in Sammlung Essl umfasst Werke von 29 Künstlern - zeitlicher Bogen spannt sich von 1960 bis zur Gegenwart

Klosterneuburg - Die junge Leipziger Kunstszene zu entdecken, sei ein "unglaubliches Erlebnis" gewesen. Das erklärte Karlheinz Essl bei einer Presseführung am Donnerstag vor der abendlichen Eröffnung der Ausstellung "MADE IN LEIPZIG. Bilder aus einer Stadt" in der Sammlung Essl in Klosterneuburg, zu der der frühere deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker angesagt war.

Akademie als Ausgangspunkt

Essl hat 2003 in Leipzig eine Präsentation von sieben Künstlern gesehen und wurde "sofort in den Bann gezogen" - sowohl thematisch als auch von der Qualität der Malerei. Dass die "Neue Leipziger Schule" in jüngster Zeit derart von sich reden mache, sei nicht nur dem internationalen Malerei-Boom und der Vorliebe für das Gegenständliche zuzuschreiben: Die "Massierung" derart vieler guter Künstler in einer Stadt führte der Sammler auf die exzellente Akademie zurück. An der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) werde wie kaum woanders ein familiär-respektvolles "Geben und Nehmen" zwischen mittlerweile vier Generationen von erfolgreichen Schülern und Lehrern gepflegt, ergänzte Hans-Werner Schmidt, Direktor des Museums der bildenden Künste Leipzig, der die Ausstellung gemeinsam mit Essl kuratiert hat.

"So was hatte ich noch nicht gesehen", beschrieb Schmidt, seit 2000 in Leipzig tätig, aber bereits seit der Wende mit der dortigen Kunstszene vertraut, seinen ersten Eindruck der Bilder "wie aus einem Schattenreich" von Neo Rauch. Wer von der Malerei in Leipzig spreche, dürfe aber auch die - ebenfalls in der Ausstellung vertretene - Fotografie nicht verschweigen.

Umfassende Präsentation

Die "Neue Leipziger Schule" werde erstmals derart umfassend präsentiert, so Essl: Mit insgesamt 100 Werken von 29 Künstlern. Die Hälfte der Exponate davon sind Leihgaben, die andere Hälfte stammt aus der Sammlung in Klosterneuburg. Essl hat, wie er ausführte, seit 2003 an die 80, vorwiegend in den letzten zehn Jahren entstandene Werke erworben. Bestechend sei die hohe handwerkliche Qualität, so Essl, thematisch sind Realität und Fiktion packend ineinander verwoben. Neben den jungen Künstlern sind auch jene Maler in der Schau vertreten, die als einflussreiche Lehrergeneration der "Leipziger Schule" in den 1960er Jahren langsam begannen, sich aus dem Netz von Staatskunst und dem sozialistischen Realismus in der DDR-Zeit zu lösen.

"MADE IN LEIPZIG" ist bis 3. September zu sehen. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen. (APA)

Sammlung Essl, 3400 Klosterneuburg, An der Donau-Au 1: "MADE IN LEIPZIG. Bilder aus einer Stadt". 31. Mai bis 3. September, Di - So: 10-19 Uhr, Mi bis 21 Uhr
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    "12:02, 2005" von David Schnell

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