Preiskampf schrumpft Investitionen

20. Juni 2006, 21:03
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AK Wien: Qualitätswettbewerb als Impulsgeber für mehr Beschäftigung

Die im Jahr 1998 eingeleitete Liberalisierung des österreichischen Telekommarktes hat vor allem in punkto zusätzliche Arbeitsplätze die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen können. Die Umsätze in den Unternehmen seien zwar gestiegen, Investitionen und Beschäftigung aber zurückgegangen, wie eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) Wien ergeben hat. Die AK Wien machte dafür vor allem den Preiskampf verantwortlich, der zu einer Unterentwicklung bei den Investitionen geführt habe.

"In den vergangenen Jahren ist in Österreich zu sehr die Angebotsseite berücksichtigt worden"

Insbesondere bei der Verbreitung hochwertiger Infrastruktur wie etwa im Breitbandbereich sei Österreich im europäischen Vergleich ins Hintertreffen geraten, warnen die Experten. "In den vergangenen Jahren ist in Österreich zu sehr die Angebotsseite berücksichtigt worden", erklärt Mathias Grandosek aus der Abteilung Wirtschaftspolitik der AK Wien im Gespräch mit pressetext. Das habe auch zu einem gewissen Grad gefruchtet. Gemessen an der Bevölkerung liegt die Breitband-Durchdringung bei rund 11,6 Prozent. Nachdem Österreich lange Spitzenreiter bei der Breitbandversorgung war, ist die Alpenrepublik 2005 allerdings unter den EU-15-Durchschnitt gerutscht.

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"Jetzt gilt es, die Menschen dazu zu bringen, Breitbanddienste auch zu nutzen", so Grandosek. Die Politik müsse dazu eine abgestimmte IKT-Strategie entwerfen, die allen Faktoren, etwa auch den Bereichen Nachfrage und Content, Rechnung trägt. Die AK Wien fordert von der österreichischen Politik vor allem ein Ankurbeln der Investitionen im Telekomsektor. Seit Beginn der Liberalisierung sei es in Österreich zu einem reinen Preiskampf gekommen, moniert die AK Wien. Ein dynamischer Qualitätswettbewerb habe sich dagegen kaum entwickelt. Ein solcher könnte aber wieder mehr Investitionen bringen und damit den Wirtschaftsstandort nachhaltig stärken.

Dreh- und Angelpunkt

"Investitionen sind der Dreh- und Angelpunkt für die Beschäftigung", meint auch Grandosek. Bisher ist die Investitionsbereitschaft sowohl im Mobil- als auch im Festnetzbereich allerdings kräftig geschrumpft. Laut Studie sank etwa die Investitionstätigkeit im österreichischen Festnetzbereich von ihrem Höhepunkt im Jahr 1999, in dem eine Mrd. Euro investiert wurde, auf unter 400 Mio. Euro im Jahr 2003. Im Mobilfunksektor ging die Investitionssumme von einem Maximum von 1,2 Mrd. Euro im Jahr 2000 auf 400 Mio. Euro im Jahr 2004 zurück.

Dementsprechend kletterte die Zahl der Beschäftigung zu Beginn der Liberalisierung zwar kurzfristig von 21.000 auf 26.000 an, sinkt aber laut AK Wien seit 2000 kontinuierlich. Die an die Liberalisierung geknüpften Erwartungen auf langfristige positive Beschäftigungseffekte haben sich nicht erfüllt. "Heute gibt es weniger Beschäftigte im Telekombereich als vor zehn Jahren", klagt die AK Wien.

Für eine Erhöhung der Investitionen im Telekomsektor und damit für mehr Beschäftigung und eine bessere Versorgung mit hochwertiger Infrastruktur sollen nun Nachfrageimpulse gesetzt werden. Darüber hinaus soll ein investitionsfreundliches Regulierungsregime geschaffen, sowie eine bundesweite Koordinierung der IKT-Strategie gewährleistet werden, so die Forderungen der AK Wien. (pte)

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