"Wir suchen einen Liebhaber"

22. Juni 2006, 15:19
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Bundesimmobilien- gesellschaft verkauft Ex-Präsidentenvilla - Neuer Chef Hammerer: "Schüssel half in der Endphase"

Wien - Um heuer wieder die geforderten 60 Millionen Euro an den Finanzminister abliefern zu können, wird die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) weitere Beteiligungen verkaufen: So erwirbt der deutsche Moderiese Peek & Cloppenburg die restlichen 45 Prozent am ehemaligen Finanzministerium in der Johannesgasse/Himmelpfortgasse und wird Ende 2006 mit den Umbauarbeiten für einen zusätzlichen Flagshipstore beginnen. Verkauft werden zudem die 41-prozentige Beteiligung am ehemaligen Handelsgericht in der Riemergasse, wo ein Hotel entsteht, und das ehemalige Jugendgericht in Wien. Dort wird der Hafttrakt abgerissen und in Abstimmung mit dem Fonds Soziales Wien ein betreutes Alterswohnheim entstehen, für das die Stadt auch entsprechende Förderungen gibt.

"Für die ehemalige Villa des Bundespräsidenten auf der Hohen Warte suchen wir einen Liebhaber", gestand BIG-Chef Christoph Stadlhuber. Das Problem dort: Die Liegenschaft ist 10.000 m2 groß, allerdings darf nur ein Drittel davon bebaut werden, der Rest muss Grünfläche bleiben. Statt Wohnungen (für die es eine Widmung gäbe) wären ein oder zwei Besitzer ideal, die sich dort niederlassen, meint Stadlhuber, der die Liegenschaft vom Finanzministerium um etwas über vier Mio. Euro erwirbt und öffentlich ausschreiben wird.

Neuer Geschäftsführer

Der Nachfolger von Herbert Logar in der BIG-Geschäftsführung, Wolfgang Hammerer, machte aus seiner Freundschaft zu Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, indes keine Mördergrube: Der gelernte Einzelhandelsverkäufer und studierte Wirtschaftsinformatiker sagte, er habe zu Schüssel ein freundschaftliches Verhältnis. Über seine Bewerbung bei der BIG habe er mit Schüssel "kein Wort gesprochen", er wurde vom Personalberater Korn & Ferry angerufen. Hammerer: "Es kann sein, dass Schüssel mich in der Endphase unterstützt hat, aber nur weil er weiß, dass ich ein gutes (Berufs-)Profil habe". Hammerer war zuletzt vier Monate bei Wein & Co in der Geschäftsführung.

In den nächsten fünf Jahren wird die BIG als Hausherrin der Schulen und Universitäten, um ein Viertel mehr in Neubau und Sanierungen stecken als bisher. Bis 2010 werden es insgesamt 2,5 Milliarden Euro sein. 2005 hat die BIG 341 Mio. Euro in Instandhaltung und Neubau investiert.

60 Millionen für den Finanzminister

Dem Finanzminister zahlt die zu 100 Prozent staatliche Gesellschaft für 2005 14 Mio. Euro an Dividende sowie 46 Mio. Euro an so genannten Nachbesserungsverpflichtungen. Darunter fällt ein Großteil jener Zusatzerlöse, die beim Verkauf von Immobilien lukriert worden sind, die zuvor unter Marktpreis vom Bund übernommen worden waren. Auch für heuer sollen wieder etwa 60 Mio. Euro an den Eigentümer fließen.

Mehr als 80 Prozent des Umsatzes (693 Mio. Euro) stammen aus Mieteinnahmen, fast ausschließlich vom Bund. Und da dominieren vor allem die Schulen (226 Mio. Euro) und die Universitäten (180 Mio. Euro). Die Verbindlichkeiten summierten sich auf 3,6 Mrd. Euro. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.5.2006)

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    Die ehemalige Präsidentenvilla auf der Hohen Warte in Wien wird die BIG öffentlich zum Verkauf ausschreiben.

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