OeNB verdiente 2005 mehr

12. Juni 2006, 14:20
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Gold verkauft und Beteiligungen versilbert: Das geschäftliche Ergebnis stieg um 37 Millionen Euro oder 8,3 Prozent auf 488 Millionen Euro

Wien - Nach mehreren Jahren stark rückläufiger Gewinne hat die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) für das Geschäftsjahr 2005 wieder leicht steigende Ergebnisse ausgewiesen. Ein guter Teil des Gewinns stammte aber von Verkaufserlösen. 2005 hat sich die Nationalbank unter anderem von der Bankomatbetreiberin APSS getrennt. Auch einige Tonnen Gold hat die Notenbank wieder auf den Markt gebracht und zu Geld gemacht.

Partnersuche für Austria Card

Für 2006 stimmte OeNB-Gouverneur Klaus Liebscher bei der Pressekonferenz am Dienstag nach der Generalversammlung die Eigentümer realistischerweise wieder auf rückläufige Ergebnisse ein. Hauptgrund ist die Kursentwicklung des Dollar. Auf der Verkaufsliste der Notenbank steht aktuell die Plastikkartenproduzentin Austria Card. Die Austria Card soll weiter expandieren, und dafür suche man einen wirtschaftlichen Partner, bestätigte am Dienstag der für Beteiligungen zuständige OeNB-Direktor Peter Zöllner. Der Prozess sei in den zuständigen Gremien eingeleitet.

In welchem Ausmaß sich das Ergebnis in diesem Jahr verschlechtern werde, wisse man noch nicht, meinte Liebscher. 2005 stieg das geschäftliche Ergebnis um 37 Millionen Euro auf 488 Millionen Euro. Allein der Verkauf der 38-prozentigen Beteiligung an der Bankomat-Gesellschaft Austrian Payment Systems Services (APSS) GmbH brachte 42 Millionen Euro. Weitere 45 Millionen Euro wurden durch den Verkauf von fünf Tonnen Gold lukriert.

Ende 2005 hatte die Nationalbank 302 Tonnen Gold in ihrem Bestand. Der Marktwert betrug 4,2 Milliarden Euro. Der Wert des Goldbestandes hat sich auf Grund des markanten Anstieges des Goldpreises um rund ein Drittel oder 1,1 Milliarden Euro erhöht.

Bei längerfristiger Betrachtung liege das Geschäftsergebnis 2005 im Durchschnitt, sagte Liebscher, rief aber in Erinnerung, dass die Rekordgewinne in den Jahren nach der Gründung der Währungsunion vor allem durch die Geschäftspolitik, den Fremdwährungsbestand frühzeitig zu verringern, erreicht wurden. "Mit Blick auf zukünftige Geschäftsergebnisse bedeutet das, dass sich das Ertragspotenzial der Bank deutlich verringert hat", betonte der Notenbank-Gouverneur. Zukünftige Gewinnerwartungen müssten sich daher an diesen Entwicklungen orientieren.

Bund hält 70 Prozent an OeNB

An die Republik Österreich, die seit Dienstag 70 (vorher: 50) Prozent an der OeNB hält, wird für 2005 etwas mehr überwiesen als für 2004: Der Anteil des Bundes am Ergebnis der Nationalbank stieg aktuell auf 451 (421) Millionen Euro, wovon 122 Millionen Euro auf die Körperschaftsteuer (KöSt) und 329 Millionen Euro auf den 90-prozentigen Gewinnanteil nach Steuern entfallen. In den sieben Jahren seit Beginn der Währungsunion hat die OeNB beinahe 7,3 Milliarden Euro oder jährlich rund 0,5 Prozent des BIP an den Bund abgeliefert. Dazu kamen noch 315 Millionen Euro für die Forschungsförderung.

Der OeNB-Bilanzgewinn 2005 in Höhe von 36,6 Millionen Euro wird laut Beschlusses der Generalversammlung verteilt. 18,3 Millionen Euro gehen an die FTE-Nationalstiftung, neun Millionen Euro an den Jubiläumsfonds zur Förderung der Forschungs- und Lehraufgaben der Wissenschaft, 4,5 Millionen Euro erhält die Leopold Museum-Privatstiftung, 3,6 Mio. Euro erhalten die Wirtschaftsforschungsinstitute und 1,2 Millionen Euro werden für die 10-prozentige Höchstdividende auf das Grundkapital von zwölf Millionen Euro verwendet.

Verkauf von Beteiligungen

Von den Nettoerträgen in Höhe von 731 (662) Millionen Euro entfallen 451 (449) Millionen Euro auf das Nettozinsergebnis. Die Nettozinserträge aus der Eigenmittelveranlagung gingen dabei um bemerkenswerte 22 Millionen Euro zurück. 182 (215) Millionen Euro entfielen auf Kursgewinne aus Gold-, Fremdwährungs- und Wertpapiertransaktionen, 45 Millionen Euro davon entfielen auf weitere Goldverkäufe im Ausmaß von fünf Tonnen, nach zehn Tonnen im Jahr 2004. Mit 68 (21) Millionen Euro wurden aus dem Verkauf von Beteiligungen dreimal so viel im im Jahr davor lukriert, davon 42 Millionen Euro aus der 38 prozentigen APSS-Beteiligung.

Die Aufwendungen machten im Vorjahr 243 (212) Millionen Euro aus, davon entfielen 105 (98) Millionen Euro auf Personalaufwendungen, 85 (90) Millionen Euro auf Sachaufwendungen und 16 (7) Millionen Euro auf Aufwendungen für den Ankauf von Euro-Banknoten.

EZB mit Gewinn

Nach Verlusten der Vorjahre hat die Europäische Zentralbank (EZB) 2005 wieder einen Gewinn gemacht. In den vergangenen Jahren hatte sie ihre Reserven ganz zur Verlustabdeckung einsetzen müssen. Für 2005 wird das EZB-Ergebnis zur Gänze zum Aufbau einer Risikovorsorge verwendet. Daher verzichten die nationalen Zentralbanken - so auch die OeNB - wieder auf die Zuweisung eines Gewinnanteils. (APA)

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