Prodi: "Bis auf Mailand gehören alle wichtigen Städte uns"

19. Juni 2006, 16:19
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Berlusconi sieht fehlendes Engagement seiner Verbündeten bei Kommunalwahlen

Rom - Fast zwei Monate nach den Parlamentswahlen hat der neue italienische Regierungschef Romano Prodi wieder Grund zum Feiern. Seine Mitte-Links-Allianz hat den ersten Stimmungstest bestanden und konnte bei den Teilkommunalwahlen am Sonntag und Montag seine Bürgermeisterposten in den wichtigen Städten Rom, Turin und Neapel verteidigen. "Es ist alles gut gelaufen. Ich bin sehr zufrieden", sagte Prodi. "Bis auf Mailand gehören alle wichtigen Städte uns." Seine Mitte-Links-Allianz siegte in 14 der 18 größeren Städte, in denen gewählt wurde. In allen acht Provinzen, in denen gewählt wurde, setzten sich Prodis Kandidaten durch.

Berlusconi konnte lediglich seine Hochburg Mailand sowie Sizilien für sich verbuchen. In der norditalienischen Wirtschaftsmetropole, die seit 13 Jahren in Hand der Rechtsparteien ist, setzte sich bei der Bürgermeisterwahl Ex-Unterrichtsministerin Letizia Moratti im ersten Wahlgang knapp gegen den Vertreter der Mitte-Links-Koalition, Bruno Ferrante, durch. Berlusconi hatte sich persönlich engagiert, um Moratti, Frau des angesehenen Erdölunternehmers Gianmarco Moratti, in seiner Heimatstadt Mailand zum Erfolg zu verhelfen.

Sizilien bleibt in Berlusconi-Hand

In Sizilien wurde der Vertreter der Berlusconi-Partei Forza Italia Salvatore Cuffaro als Regionalpräsident im Amt bestätigt. Er erhielt demnach 52,2 Prozent der Stimmen gegenüber 42,9 Prozent für seine Herausforderin Rita Borsellino. Die Schwester des ermordeten Staatsanwalts Paolo Borsellino hatte den Kampf gegen die Mafia in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfs gestellt.

Regierungschef Prodi erklärte, es sei noch zu früh von einer Testwahl für die Regierung zu sprechen. Der neue Ministerpräsident hat sein Amt nach dem hauchdünnen Sieg bei der Parlamentswahl Anfang April erst am 17. Mai angetreten. Berlusconi hatte im Wahlkampf betont, die Abstimmung vom Sonntag und Montag sei auch auf nationaler Ebene von Bedeutung und werde ein Comeback seiner Mitte-Rechts-Koalition bringen. Berlusconi konnte seine Enttäuschung für das Wahlergebnis nicht verbergen. Er beschuldigte seine Verbündeten, sich zu wenig im Wahlkampf engagiert zu haben.

In jenen Orten, in denen kein Bürgermeisterkandidat im ersten Wahldurchgang die absolute Stimmenmehrheit erhalten hat, gibt es zwei Wochen eine Stichwahl. Insgesamt waren 19,5 Millionen Italiener zum Urnengang aufgerufen - mehr als ein Drittel der insgesamt 50 Millionen Wahlberechtigten. Gewählt wurde in 1.259 Gemeinden und in acht Provinzen.

Die Beteiligung lag unter den Erwartungen. 75 Prozent der Wahlberechtigten nahmen an den Kommunalwahlen teil, vor fünf Jahren waren es 82 Prozent. An den Provinzratswahlen beteiligten sich lediglich 59,6 Prozent der Wahlberechtigten. Beim Urnengang vor fünf Jahren waren es 75,8 Prozent gewesen. (APA)

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