EVN legte im Halbjahr kräftig zu

8. Juni 2006, 14:42
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Der Umsatz des niederösterreichischen Energieversorgers stieg im Vorjahresvergleich um 37,6 Prozent und durchbrach erstmals die Ein-Milliarden-Euro-Grenze

Wien - Der niederösterreichische Energieversorger EVN konnte im Halbjahr 2005/06 bei Umsatz und Ergebnis über den Erwartungen zulegen. Die Umsätze der Gruppe lagen mit 1.179,8 Mio. Euro um 322,1 Millionen Euro bzw. 37,6 Prozent über dem Vorjahreswert und überschritten damit erstmals im Halbjahr die Grenze von einer Milliarde Euro, teilte das Unternehmen am Dienstag ad-hoc mit. Maßgeblich für diese Entwicklung war neben dem nach wie vor höchst erfolgreichen Projektgeschäft im Umweltbereich das stark gewachsene Energiegeschäft.

Ergebnis über Erwartungen

Das operative Ergebnis (EBIT) der EVN Gruppe erhöhte sich im 1. Halbjahr 2005/06 um 25,8 Millionen Euro oder um 15,7 Prozent auf 190,8 Millionen Euro. Davon entfallen 170,4 Millionen Euro auf das Energiegeschäft, 22,0 Millionen Euro auf die Umweltaktivitäten der Gruppe sowie 1,6 Millionen Euro auf den Bereich Sonstiges. Neben Zuwächsen im Umweltbereich auf Grund guter Projektfortschritte und höherer Erträge im Kraftwerksbereich waren für diese Verbesserung vor allem die positiven Beiträge der - im Vergleichszeitraum nur mit einem Quartal enthaltenen - bulgarischen Gesellschaften verantwortlich. Die EVN hat damit die Erwartungen der Analysten übertroffen. diese hatten eine Umsatzsteigerung um 35 Prozent und eine Erhöhung des Betriebsergebnisses um knapp zwölf Prozent erwartet.

Das Finanzergebnis der EVN Gruppe zeigte im Berichtszeitraum insgesamt einen Zuwachs um 50,6 Millionen Euro auf 81,4 Millionen Euro. Hauptverantwortlich dafür war ein Anstieg des Beteiligungsergebnisses um 44,6 Millionen Euro bzw. 98,5 Prozent auf 89,9 Millionen Euro. Er beruhte neben einem deutlichen Anstieg der Dividende der Verbundgesellschaft vor allem auf der sehr zufrieden stellenden Entwicklung der at-equity einbezogenen Unternehmen. Weiters wirkten sich das weitgehend stabile Zinsenergebnis und das sonstige Finanzergebnis aus.

Nach Berücksichtigung des Ergebnisanteiles anderer Gesellschafter (vor allem Fremdanteile an der RAG Beteiligungs AG sowie an den bulgarischen Stromverteilgesellschaften) ergibt sich ein Periodenergebnis von 194,7 Millionen Euro. Es liegt um 30,5 Prozent über dem Vorjahreswert von 149,2 Millionen Euro.

Konzern-Erweiterung

Zentrales Ereignis des Berichtszeitraumes war ohne Zweifel die neuerliche deutliche Erweiterung des EVN Konzerns durch die mehrheitliche Übernahme des mazedonischen Stromversorgungsunternehmens ESM AD Elektrostopanstvo na Makedonija (ESM), so das Unternehmen heute. In einem internationalen Bieterverfahren erhielt die EVN den Zuschlag für den Erwerb einer Beteiligung in Höhe von 90 Prozent an diesem Unternehmen. Das Closing erfolgte am 7. April 2006. Der Kaufpreis beträgt 225,0 Millionen Euro. Mit dem Erwerb der neuen Tochtergesellschaft steigt die Zahl der Stromkunden der EVN Gruppe von 2,3 Millionen auf rund 3,0 Millionen, der jährliche Stromabsatz erhöht sich auf etwa 18.000 GWh.

Die EVN Gruppe entwickelt sich vor dem Hintergrund freundlicherer Konjunkturprognosen weiterhin sehr dynamisch. Wesentliche Impulse gehen dabei von der erstmals zwölfmonatigen Einbeziehung der bulgarischen Tochtergesellschaften, dem hohen Erzeugungsniveau in den eigenen Kraftwerken sowie dem weiteren Wachstum im Wasser- und Abfallbereich aus. EVN Vorstandssprecher Burkhard Hofer: "Auf der Grundlage des guten Ergebnisses für das 1. Halbjahr und der positiven Entwicklung in allen Geschäftsbereichen rechnen wir daher auch für das gesamte Geschäftsjahr 2005/06 neuerlich mit deutlichen Umsatz- und Ergebnissteigerungen. Der Einstieg in die Elektrizitätswirtschaft Mazedoniens bedeutet einen weiteren wichtigen Schritt in der Umsetzung unserer Wachstumsstrategie und eröffnet auch für unsere künftige Tätigkeit in Südosteuropa interessante zusätzliche Perspektiven insbesondere in den Bereichen Gas, Wärme sowie Wasser/Abwasser und thermische Abfallverwertung. Von großem Interesse ist dabei auch das Wasserkraftpotenzial in Mazedonien."

Zusammenarbeit mit Verbund verstärken

EVN lädt den Verbund zu einer verstärkten Zusammenarbeit, vor allem in Südosteuropa ein. Eine Fusion sei aber nicht sinnvoll, sagte EVN-Vorstandssprecher Burkhard Hofer heute, Dienstag, bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Eine Zerschlagung des Verbund sei nicht das Ziel, "ich sehe keinen Grund zur Zerschlagung". Beim Verbund aufstocken wolle man nicht.

Die Österreichische Stromlösung (ÖSL), bei der nun bereits Stufe eins und Stufe zwei zusammen realisiert werden sollen, könne ein erster Schritt zu einer weiteren Kooperation sein. Dann könne man die Zusammenarbeit auf Aktionärsebene weiterentwickeln. Die Landesgesellschaften passten viel eher zum Verbund als Öl- und Gaskonzerne. Die bisherigen Projekte wie die 2002 gescheiterte "Wasserkraftehe" des Verbund mit der deutschen E.ON. oder die geplante Fusion mit der OMV seien keine Zusammenarbeit mit den Aktionären gewesen. "Das finde ich schade", sagte Hofer.

Felder gemeinsam beackern

Es gebe Felder, die man gemeinsam mit dem Verbund weiterentwickeln könne. Die EVN sei mittlerweile sehr stark international tätig, der Verbund strebe eine Internationalisierung an. Es sei daher naheliegender, hier beispielsweise bei der Stromerzeugung oder beim Stromhandel zu kooperieren, als zu behaupten, es müsse eine Übernahme durch die OMV geben, um Gaskraftwerke in Südosteuropa zu bauen. Zumal die OMV in diesem Raum Gas kaufe. Für österreichische Unternehmen gebe es derzeit die einmalige Chance in Südosteuropa Fuß zu fassen, dort sei auch der primäre Expansions-Fokus der EVN.

Eine Gesamtfusion der Unternehmen sei nicht sinnvoll, so Hofer. Man sollte in gewissen Teilbereichen Fusionen machen, wie dies bereits im Rahmen der Österreichischen Stromlösung (ÖSL) vorgesehen sei. Geplant sei dabei nun bereits Phase eins und Phase zwei gleichzeitig zur kartellrechtlichen Genehmigung anzumelden. Somit würden die Verbund-Beteiligungen an den Vertriebstöchtern der EnergieAllianz (EVN, Wien Energie und Bewag) sofort 33 Prozent erreichen und nicht wie ursprünglich geplant erst in einem zweiten Schritt. Für die erste Phase war eine Beteiligung von 25 Prozent vorgesehen. Entfallen würde von Anfang an auch der Wasserkraft-Zuschlag.

Aufgabe künftiger Generationen

Ob eine vertiefte Kooperation mit dem derzeitigen Verbund-Vorstand möglich sei? "Irgendwann wird Dr. Haider (Verbund-Generaldirektor Hans Haider, Anm.) ausscheiden und auch ich", so Hofer. Dies sei vielleicht auch eine Aufgabe für künftige Generationen. Der Verbund-Chef habe sich für die ÖSL ausgesprochen. In einem Telefonat heute Vormittag habe Haider zum Ausdruck gebracht, dass er nichts verzögern oder verhindern werde.

Wenn man die Landesgesellschaften - EVN, Wien Energie und Tiwag halten zusammen knapp mehr als 30 Prozent am Verbund - unbedingt als Aktionäre loshaben wolle, wolle man eher Sachwerte und nicht den Erlös aus dem Verkauf von Anteilen. Zu einer möglichen Aufstockung am Verbund sagte Hofer, die EVN habe mit der Wien Energie eine "gute Position". Die beiden Unternehmen sind zusammen mit rund 25 Prozent am Verbund beteiligt. Wenn es Änderungen in der Aktionärsstruktur wegen Gesetzesänderungen gebe, müsse man sich das anschauen.

Zur Frage, ob die Fusion von OMV und Verbund endgültig "gestorben" sei, sagte Hofer, "ich weiß nicht, ob sich das gewisse Herren noch einmal antun wollen". Die Finanzmarktreaktion sei jedenfalls ein Faktum. Es sei "nicht ganz richtig", wenn die Landeshauptleute für das Platzen der Fusion verantwortlich gemacht würden. Die Antwort auf den Deal habe der Finanzmarkt gegeben. Für die EVN habe die industrielle Logik gefehlt.

Wien und Niederösterreich hätten selbst auf Grund gesetzlicher Bestimmungen keine Möglichkeiten zum Ausbau der Wasserkraft gehabt, Großkraftwerke seien dem Verbund vorbehalten. Wenn man nun selbst nicht investiere, sei es naheliegend, dass man sich an der Gesellschaft beteilige, die das könne. Wenn man ausscheide, möchte man als Aktionär Assets haben, dies sei aber nicht primäres Ziel. Man könne die Wasserkraft nicht außer Landes bringen, es gebe aber Übernahmen wie derzeit beispielsweise E.ON/Endesa und es könne durchaus der Fall sein, dass man eine fusionierte OMV/Verbund übernehmen wolle. Es komme dann auf die Mehrheit an, eine Sperrminorität reiche nicht. Man sollte daher Überlegungen anstellen, was man gemeinsam mit der Verbund-Gesellschaft machen könne.

Zuversichtlich für Österreichische Stromlösung

EVN ist optimistisch für die Österreichische Stromlösung (ÖSL), die geplante Kooperation von Verbund und EnergieAllianz (EVN, Wien Energie und Bewag/Begas). Die Verträge seien mit Ausnahme der Frage der Bewertungsmethoden unterschriftsreif, der Weg für die Abstimmung mit den Kartellbehörden sollte in "allernächster Zeit" frei sein, sagte EVN-Vorstandssprecher Burkhard Hofer, heute, Dienstag, bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Realisiert werden sollen gleich die erste und die zweite Phase.

Man werde bei den EU-Kartellbehörden beide Phasen einreichen und könne dann, wenn alles glatt geht, die ursprünglich getrennt geplanten Phasen eins und zwei gemeinsam starten. Vorgesehen war, dass sich der Verbund in einem ersten Schritt mit 25 Prozent an den Vertriebs-KGs der Allianz-Mitglieder beteiligt und in Phase zwei eine kontrollierende Beteiligung von 33 Prozent erwirbt. Fallen würde mit der Zusammenlegung von Phase eins und zwei auch der Wasserkraft-Zuschlag, der in der ersten Stufe von den Allianz-Mitgliedern für Verbund-Strom gezahlt werden sollte.

Kooperiert wird auch im Stromhandel, die EnergieAllianz beteiligt sich mit einem Drittel an der Verbund-Handelstochter APT (Austrian Power Trading). Im Gegenzug steigt der Verbund mit einem Drittel bei der EnergieAllianz-Großkunden-Tochter e&s sein. An der Spitze werden in jeder Gesellschaft drei Vorstände stehen.

Die Prozentsätze der Beteiligungen stünden fest, betonte Hofer. Bei der Bewertung sei noch die Methode offen, es gebe dabei einfache und komplexere Verfahren. Dies werde aber von niemanden als großes Problem betrachtet.

Alternativen zur ÖSL

Alternativen zur ÖSL gebe es, so Hofer, er wolle aber nicht daran denken, weil sich alle zur Stromlösung bekannt hätten, auch bei einer Fusion von OMV und Verbund. Man habe auch in OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer einen Befürworter gefunden. Verbund-Chef Hans Haider habe ihm heute, Dienstagvormittag, in einem Telefonat versichert, die Stromlösung weder verzögern noch verhindern zu wollen.

Die Loslösung der Energie AG Oberösterreich (EAG) sowie der Linz AG von der EnergieAllianz sei "sehr fair" verlaufen. Und in Richtung Wettbewerbshüter: Die ÖSL umfasse nun ein Mitglied weniger. Bei den nunmehr erzielbaren Synergien sei von einem Viertel bis einem Drittel weniger auszugehen. In der ersten Variante der ÖSL war von 80 Mio. Euro Synergien die Rede gewesen, die sich je zur Hälfte auf Verbund und EnergieAllianz aufteilen sollten.

Die Voraussetzungen für den Wettbewerb seien in Österreich gegeben, betonte der EVN-Chef. Er teile allerdings nicht die Meinung des Regulators, dass man Wettbewerb daran erkennen könne, wie viele Kunden täglich ihren Lieferanten wechseln. Die Strompreise in Österreich seien nach Eurostat-Daten unter dem EU-Schnitt. Es sei "eine völlige Mär", dass es in Österreich extrem hohe Strompreise gebe. Die Großhandelspreise stiegen weiter. Bei der EVN sei aber "unmittelbar" keine Strompreiserhöhung geplant. (APA)

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