78 Guantánamo-Häftlinge im Hungerstreik

2. Juni 2006, 07:42
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US-Militär: "Hungerstreiktechnik im Einklang mit der Praxis der Al-Kaida"

Miami - Im Gefangenenlager des US-Marinestützpunkts Guantánamo auf Kuba haben sich einem Pressebericht zufolge Dutzende von Häftlingen drei Hungerstreikern angeschlossen, die seit August 2005 zwangsernährt werden. Wie die Zeitung "The Miami Herald" am Montag unter Berufung auf den US-Fregattenkapitän Robert Durand schrieb, sind mittlerweile insgesamt 78 Gefangene im Hungerstreik. Keiner von ihnen ist laut Durand unmittelbar gefährdet. "Die Hungerstreiktechnik steht im Einklang mit der Praxis von Al-Kaida", sagte der Marinesoldat.

Zwangsernährung

Das Weiße Haus in Washington hatte vor einigen Wochen auf Nachfrage nach dem System der Zwangsernährung in Guantánamo geantwortet, die Gefangenen dort würden "human" behandelt. Die meisten der rund 460 Gefangenen wurden nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan im Herbst 2001 festgenommen. Ihnen werden Verbindungen zu den Taliban und zum Al-Kaida-Netzwerk von Osama bin Laden vorgeworfen. Die US-Regierung verweigert den Inhaftierten den Status und damit auch die Rechte von Kriegsgefangenen; die meisten von ihnen haben keinerlei Rechtsbeistand. Viele der zum größten Teil seit vier Jahren ohne Anklage Inhaftierten leiden laut dem Bericht einer Delegation von Anwälten an Depressionen.

Schließung gefordert

Außer der UNO und Menschenrechtsorganisationen verlangt auch der britische Generalstaatsanwalt und Rechtsberater der Regierung von Tony Blair, Peter Goldsmith, die Schließung des Gefangenenlagers Guantánamo. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte im Jänner gesagt, eine Einrichtung wie Guantánamo "kann und darf auf Dauer so nicht existieren". Bei ihrem jüngsten USA-Besuch hatte Merkel allerdings keine entsprechenden Äußerungen gemacht. (APA)

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