Ein Leben im Kühlschrank

29. Mai 2006, 19:36
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Hervorragende "Hedda Gabler" von Henrik Ibsen im Theater am Kornmarkt - Bitte: Mehr Thilo Voggenreiter in Bregenz!

Die Frau ist schön, klug, jung und begehrt - und wird damit dennoch nicht glücklich, denn sie besitzt ein staubtrockenes Seelchen. "Ich habe nur das Talent mich zu langweilen", lässt Henrik Ibsen seine Hedda Gabler (Verena Ehrmann) sagen. Doch leider verfügt diese Tochter aus gutem Haus auch über das Talent, sich ihres Defizits bewusst zu sein. Um endlich einmal Macht über Menschen zu besitzen, treibt sie ihren früheren Geliebten, den aktuellen Konkurrenten ihres Mannes, in den Tod.

Regisseur Thilo Voggenreiter, der zum ersten Mal am Landestheater inszenierte, lässt dieses Stück vor karger Gegenwartskulisse spielen (Bühne: Elisabeth Pedross), die hervorragend mit Heddas Gemütszustand korrespondiert. Er brachte auch einige inhaltliche Veränderungen an. Etwa bringt sich Hedda am Schluss nicht um, eine Ladehemmung verhindert das. Es ist die schrecklichste aller Strafen, dieses ereignislose Leben bis zur Neige durchleiden zu müssen. Eine wunderbar konzentrierte Inszenierung, eine glanzvolle Ensembleleistung, in der alles harmoniert: Bühnenbild, Schauspiel, Dramaturgie . . . Bitte: Mehr Thilo Voggenreiter in Bregenz! (mh/ DER STANDARD, Printausgabe, 30.5.2006)

Theater am Kornmarkt
Seestraße 2
6900 Bregenz
05574/428 70
20 Uhr
  • Das Ex-Partygirl Hedda Gabler (Verena Ehrmann) ist dabei, ihr Leben in die Hand zu nehmen.
    foto: lt vorarlberg

    Das Ex-Partygirl Hedda Gabler (Verena Ehrmann) ist dabei, ihr Leben in die Hand zu nehmen.

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