NÖ: Marchdamm wird höher - für Kritiker zu wenig

11. Juni 2006, 19:11
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WWF klagt mehr Platz für den Fluss ein - Via Donau ringt derweil um Gründstück-Ablösen

St. Pölten/Dürnkrut/Klosterneuburg - "Die Dämme müssen repariert und dicht gemacht werden. Das hat Priorität, vor allem für die March-Anrainer", sagt Christoph Fehringer, Planungsleiter bei der österreichischen Wasserstraßengesellschaft Via Donau. Für Planungen, die über "Sofortmaßnahmen" an jenen beiden Stellen hinausgehen, wo der Anti-Hochwasserwall während der Frühjahrsflut gebrochen ist, könnten die Bewohner gefährdeter Gemeinden wie Dürnkrut und Stillfried hingegen nur bedingt gewonnen werden.

Besagte Sofortmaßnahmen, an denen schon seit Wochen gewerkt wird und die bis Mitte Juni 2006 abgeschlossen sein sollen, müssten mittelfristig jedoch durch "Phase zwei" ergänzt werden: "Ein Sechstel des Dammverlaufs, das sind rund 60 Kilometer, sollen für eine Hundertjahres-Flut plus 70 Zentimeter Wasserstand aufgerüstet werden", erläutert Fehringer drei Tage vor der öffentlichen Verhandlung im Zuge der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für das Flutschutz-Projekt.

Protest

Im Vorfeld dieses Termins am 1. Juni haben Umweltschutzgruppen Protest gegen die Planungen eingelegt: "Laut UVP-Recht können wir nur wegen Verstößen gegen die EU-Naturschutzrichtlinie Natura 2000 auftreten, aber es geht uns ebenso um effektiven Hochwasserschutz", sagt Isabella Tömpe, Sprecherin des World Wide Fund for Nature (WWF). Die geplanten Maßnahmen konzentrierten sich allein auf die Dammverstärkung, von mehr Überschwemmungsraum für den Fluss sei nicht die Rede.

"Wir müssen angesichts des Klimawandels mit zunehmend stärkeren Hochwässern rechnen. Die alten Konzepte reichen sicher nicht mehr aus, die Flüsse brauchen einfach mehr Platz", meint auch WWF-Geschäftsführerin Hildegard Aichberger. Doch Via Donau-Planer Fehringer verweist auf Abkommen mit dem Nachbarn: "Phase zwei" der Dammsanierung werde das österreichische Marchufer ebenso hochwassersicher machen wie das slowakische Gestade: "In der Slowakei wurden die vereinbarten zwischenstaatlichen Vorgaben eben früher eingelöst als bei uns" - mit dem Ergebnis, dass es in der Slowakei im Frühjahr an der March keine Überschwemmungen gab.

"Begleitstraße"

Fehringer schlägt sich statt dessen mit dem Bau einer Damm-"Begleitstraße" herum. Diese brauche es, damit Baufahrzeuge während der nächsten Flut nicht auf der Dammkrone zum Einsatzort rattern müssen - was den Damm zusätzlich schädige. Doch für den Begleitstraßenbau über den Sofortmaßnahmenbereich hinaus fehlten derzeit noch eine Reihe Grundstücke am March-Verlauf: "Wie wir diese Ablösen rechtzeitig bewerkstelligen, ist uns noch nicht klar". "Phase zwei" der Bauten an der March soll Ende 2007 abgeschlossen sein.

Hochwasseralarm Der nächste Flutalarm ist indes schon ausgelöst: Die Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung gab am Montag eine Hochwasserwarnung für Klosterneuburg aus. Um 8 Uhr betrug der Donaupegel 511 Zentimeter. Die Tendenz sei leicht steigend, die Prognose liege bei 530 Zentimeter, teilte die NÖ Sicherheitsdirektion mit. Die Bewohner gefährdeter Gebiete wurden per Lautsprecherdurchsagen verständigt. Wie Landesfeuerwehrsprecher Jörg Würzelberger erläuterte, bedingten Schneeschmelze und starke Niederschläge in Niederösterreich derzeit allgemein hohe Wasserstände. (bri, DER STANDARD-Printausgabe, 30.05.2006)

  • March-Hochwassersee in Dürnkrut während der Frühjahrsflut. Ob höhere Dämme solche Katastrophen verhindern können, wird von Umweltschützern bezweifelt.
    foto: urban

    March-Hochwassersee in Dürnkrut während der Frühjahrsflut. Ob höhere Dämme solche Katastrophen verhindern können, wird von Umweltschützern bezweifelt.

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