Auch Chirac wird Protagonist einer Filmsatire

8. Juni 2006, 18:40
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"Dans la peau de Jacques Chirac" entstand aus 40 Jahren Archivbildern und einem fiktiven Interview

Paris - Wie bereits der ehemalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi in Nanni Morettis "Der Kaiman" ("Il Caimano") ist nun auch der französische Präsident Jacques Chirac (UMP) Gegenstand eines satirischen Films. Am Mittwoch kommt "Dans la peau de Jacques Chirac" (In der Haut von Jacques Chirac) von Karl Zero und Michel Royer in die französischen Kinos. Es handle sich um eine "nicht autorisierte Biografie", die durch die Montage von Archivbildern und einem fiktiven Interview des 73-Jährigen Neogaullisten verwirklicht wurde, erklärte der Humorist Karl Zero.

Aufgebaut ist der Film auf den widersprüchlichen Aussagen, die Chirac im Laufe der letzten 40 Jahre und manchmal in nur wenigen Wochen Abstand gemacht hat. Es sind auch Filmausschnitte zu sehen, in dem der selbst erklärte Erzfeind des Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen (Front National/FN) von den "Geräuschen und Gerüchen der Ausländer auf dem Treppenabsatz der Franzosen" sprach.

Eine "Entschlüsselung"

"Es ist nicht ein Propagandafilm für oder gegen Chirac, es ist eine Entschlüsselung", erklärte Karl Zero seine Absichten und fügte hinzu: "Sobald Chirac etwas ankündigt, macht er genau das Gegenteil, und es gelingt ihm sogar das Kunststück, dafür Applaus zu ernten. Daher rührt wohl seine politische Langlebigkeit."

Jüngst erschien in Frankreich bereits ein Buch von Franz-Olivier Giesbert, Chefredakteur des Wochenmagazins "Le Point", in dem ebenfalls auf diese Zwiespältigkeit Chiracs hingewiesen wird. In "La Tragedie du President" (Edition Flammarion) liefert Giesbert unzählige Anekdoten, die nach Ansicht des Autors bestätigen, "dass Chiracs Versprechen nur jene verpflichten, die daran glauben".

Jacques Chirac gehört bereits seit den 1960-er Jahren in die politische Landschaft Frankreichs. Der Absolvent der Eliteschule ENA begann seinen Aufstieg vor vier Jahrzehnten als Mitarbeiter von Georges Pompidou. Er war mehrfach Minister, zwei Mal Premierminister (1974 bis 1976 und 1986 bis 1988) und schaffte nach zwei Niederlagen gegen Mitterrand 1995 den Sprung an die Spitze des Staates.

2002 wurde er mit mehr als 80 Prozent der Wählerstimmen gegen Le Pen in seinem Amt bestätigt und erzielte damit das beste Wahlergebnis in der 1958 gegründeten Fünften Republik. Überdies gründete Chirac 1976 die Gaullistische RPR, nunmehr "Union für eine Volksbewegung" (UMP). Von 1977 bis 1995 war er auch Bürgermeister von Paris. (APA)

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