Das 3. Jahrtausend

7. Juni 2000, 16:21

Visionen von Stephanie Puck

Kaptitel 3

Benommen schlug Roland die Augen auf und fand sich in den Armen Jawils wieder, der ihm schluchzend um den Hals fiel. Klaffende Felswände ragten östlich wie auch westlich in den strahlend blauen Himmel empor. Eliason stapfte mit festen Schritten heran. Der zerschlissene Mantel hing schlaff an seiner dürren Gestalt hinab. Das einst so blonde Haar schien matt, beinahe schon ergraut vom Wüstensand. Mit besorgter Mine starrte er auf Roland. Erst als ihn Jawil anstieß, schien sein Bewusstsein wieder zurück zu kehren. „Hiner den Klippen liegt ihr Lager" sprach Eliason mit dünner Stimme, in der so etwas wie Abscheu mitschwang. Roland war wie gerädert, doch er versuchte, die beiden zu täuschen. Langsam erhob er sich und ein schier unerträglicher Schmerz durchpeitschte seinen Körper. Jawil sah wie schlecht es Roland ging und flehte ihn an, dass er sich doch ausruhen solle. Doch Roland, der schon immer gerne und gut geklettert war, entschied sich dafür aufzusteigen so lange das Tageslicht noch ausreichte.

Mit aller Kraft suchte er Halt an dem spröden Gestein. Jawil und Eliason folgten ihm. Stunde um Stunde verging und immer näher rückten sie dem Rand der Schlucht. Als sich Roland endlich über den Rand zog, war die Nacht bereits hereingebrochen und die wundervoll leuchtenden Sterne zierten bereits das Firmament.

Endlich sahen sie die Spitzen von roten Zelten über den Dünen auftauchen. Jetzt ging es weiter in Richtung Nordstern, die steinerne Wüste entlang, auf die Zelte zu. Je näher sie den Dünen kamen, desto steiler wurde das Land. Die eisige Nacht und der anschließend so heiße Tag machte den Jungen zusätzlich die Reise schwer.

Stunden später, es musste zu der Mittagszeit sein, standen die drei auf dem höchsten Punkt der Dünen und blickten zurück, wo sich die steinerne Wüste endlos weit erstreckte und es so schien als könnte der Himmel den Boden berühren. Doch als Roland den Kopf wandte, bot sich ihm ein Bild der Zerstörung und des Todes. Hier, zu ihren Füßen lag es - das Schlachtfeld von Geritesa. Massive Kreuze standen dort in den Boden gerammt, den Tod Tausender Unschuldiger signalisierend. Jawil, der sich neben ihm befand, verzog keine Mine und sein Bruder, der etwas abseits stand, lauschte angestrengt in die Ferne als könne er etwas vernehmen in der unendlich bedrückenden Stille, die den Augenblick beherrschte. Plötzlich drehte Eliason ruckartig den Kopf, was Roland so sehr erschreckte, dass er stolperte. Immer weiter rutschte er hinab und alle Anstrengungen, sich nochmals aufzurichten, waren vergeblich, da der weiche Sand keinen ausreichenden Halt bot. Am Fuß der Sanddüne blieb Roland bewegungslos liegen.

Als er die Augen öffnete, sah er neben sich einen schwer verwundeten Soldaten liegen.
Die drei Burschen kümmerten sich um den Verwundeten. Sie beschlossen ihn mitzunehmen, da er bei ihrem Plan, die beiden Prinzen als Gefangene auszugeben, noch hilfreich sein könnte.

Roland deutete auf den verwundeten Soldaten, der schon wieder ohnmächtig über seiner Schulter lag. "So wird niemand Verdacht schöpfen und wir werden einen Weg zum Marschall finden. Denn schließlich wird der es sich nicht nehmen lassen, die beiden Rebellenprinzen persönlich anzusehen, " fügte Roland hinzu. Der Verwundete öffnete die Augen und stammelte wirres Zeug, wovon Roland nur einige Worte verstehen konnte. „Zurück lassen .... keine Chance...... Marschall töten ... Rebellenkönigin ...“ so kam es eintönig über seinen Lippen.

Von Weitem erblickte Roland einige Soldaten des Lagers, welche mit schnellen Schritten näher kamen. Die drei Jungen wussten, dass ihnen nun kein Fehler unterlaufen durfte, denn das würde ihren sicheren Tod bedeuten. Jawil und Eliason standen dicht bei Roland, der die beiden fest am Kragen fasste. Sie marschierten nun so auf die Truppe von Soldaten zu. Es war nur ein Spähtrupp, der das Schlachtfeld nach möglichen Überlebenden durchsuchen sollte. Als Roland näher kam, sah er, dass es Jugendliche, beinahe noch Kinder waren. Er deutete ihnen, dass sie kommen mögen, was jene tatsächlich taten. Die Soldaten waren sichtlich froh, Überlebende gefunden zu haben und halfen Roland, den verwundeten Soldaten zu versorgen. Als Jawil mit gespielter Anstrengung versuchte, sich los zu reißen, wurden die Soldaten auf die beiden aufmerksam. Der Anführer der Gruppe fragte Roland, wer die beiden seien. Als jener ihm antwortete, dass dies die Rebellenprinzen sind, schüttelte der Anführer der Soldaten nur ungläubig den Kopf.

Nun dauerte es nicht mehr lange, bis sie alle im Lager sein würden. Roland konnte es kaum mehr erwarten, endlich wieder etwas zu bekommen, was seinen Hunger und den Durst stillte. Die drei Knaben waren froh, dass sie der Spähtrupp aufgelesen hatte, denn all die elektronische Überwachung rund um das Lager hätten sie wohl nicht bewältigen können. Im Lager wurde Roland mit großer Freude begrüßt und jedermann starrte ihn nur mit großen Augen an, als der Leiter des Spähtrupps erzählte, dass dieser junge Knabe es fertig gebracht hatte, die beiden Rebellenprinzen gefangen zu nehmen. Andererseits bereute Roland den Entschluss, dass er seine Freunde Jawil und Eliason dem Lager preisgegeben hatte, denn nun wurden sie getrennt.

Nachdem Roland Wasser und eine Handvoll Tabletten bekommen hatte, verlangte er nach seinem "Kameraden“ zu sehen, den er auf dem Schlachtfeld vor dem Tod gerettet hatte.

Dieser Wunsch wurde ihm prompt erfüllt. In einem Zelt etwas abseits stand ein einzelnes Feldbett, auf dem der junge Soldat lag. Roland kniete sich neben die niedrige Pritsche. Wenige Minuten später kam der Soldat wieder zu sich. "Du bist ein Rebell, kein Kämpfer des Marschalls. Ich könnte dich verraten, dein Leben in meiner Hand," stieß er hervor. „Ja, das könntest du," bestätigte Roland und blickte ihm ernst in die Augen. Doch dann umspielte ein Lächeln sein Gesicht. Jedoch wirst du mich nicht verraten. Ich weiß es. - Deine Augen verraten es mir," fügte er hinzu. Der Soldat starrte lächelnd ins Nichts, und keiner der beiden sagte ein Wort. Erst Minuten später fragte Roland nach dem Namen des Soldaten und erfuhr, dass man ihn Normaries nannte.

Roland versprach, ihn mit sich zu nehmen, sobald er einiger Maßen bei Kräften sei. Somit verließ Roland den tapferen Soldaten und verlangte die Genehmigung, die Prinzen zusammen mit Normaries in die nächste Stadt bringen zu dürfen. Der Offizier des Lagers wollte ihm gegen Abend Bescheid sagen. Roland nutzte die Zeit, um nach Jawil und Eliason sehen zu können.

Den beiden Jungen erging es nicht so gut wie Roland, der schon beinahe als Held gefeiert wurde. In dem Zelt, wo sie untergebracht waren, war es heiß und stickig. Roland versprach, sie bis zum Abend von dort fort zu bringen. Tatsächlich bekam er die Erlaubnis mit den Gefangenen und Normaries in die nächste Stadt zu fliegen. Der zuvor noch so schwer Verwundete war durch die medizinische Versorgung, die nun hauptsächlich mit Lasertechnik funktionierte, schon wieder beinahe ganz und gar gesundet. Normaries, der wie jeder Soldat, eine Flugausbildung absolviert hatte, sollten den Fluggleiter, der ihnen zur Verfügung gestellt wurde, fliegen. Gegen Abend wollten sie aufbrechen, damit die Rebellen den Fluggleiter nicht so leicht bemerkten.

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