Das Phantom der Alpen

12. Juni 2006, 16:53
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Braunbär "Bruno" zeigt sich nur dann, wenn keiner damit rechnet

Fast scheint es, als spiele "Bruno" bewusst das Phantom der Alpen. Er hinterlässt Fußabdrücke, Kot, Fellknäuel und ab und zu die Reste eines gerissenen Schafes. Nur selten lässt er sich sehen. Und wenn, dann dort, wo Menschen nicht mit einem ausgewachsenen Braunbären rechnen. Wie Montag um drei Uhr früh, als ein Tiroler Taxifahrer den Sohlengänger im Bezirk Schwaz über die Straße zwischen Maurach und Pertisau trotten sah.

Dieses bisher letzte Auftauchen des seit Anfang Mai verfolgten Tieres passt auch geografisch zu den unmittelbar vorangegangenen Sichtungen. Am Wochenende war Bruno im Rofangebirge im Bezirk Schwaz und auf einer Alm auf fast 1800 Metern Höhe im Zillertal unterwegs. Sonntag dürfte eine Ziege auf einem Bergbauernhof dem Bärenhunger zum Opfer gefallen sein. Schon in Bayern und in Vorarlberg hatte sich der Bär in Viehställen und an Bienenstöcken gelabt. Was ihn nach Ansicht von Experten und Jägern auch zum Problembären macht. In Bayern und im Tiroler Außerfern ist das Tier zum Abschuss frei gegeben. Tierschützer wollen ihn hingegen lebend fangen.

Aufsehen erregend

Wanderfreudige Passgänger sorgen immer wieder für Aufsehen. Vor vier Jahren war es die Bärin Vida, der es im italienischen Trentino zu eng wurde. Das Tier schaffte es in wenigen Tagen bis Nordtirol, machte dann noch einen Abstecher nach Osttirol und kehrte schließlich nach zwei Wochen wieder zurück in den Naturpark Adamello-Brenta. Seither folgten zahlreiche Ausflüge, was der mit einem Funksender ausgestatteten Bärin auch den Beinamen "La Vagabonda" einbrachte.

Im Gegensatz zu Bruno hat sich Vida bisher aber nie über Stallvieh hergemacht und hält Respektabstand zu Menschen. Laut WWF tummeln sich rund 20 Braunbären in Österreich. Die meisten im Ötschergebiet in Niederösterreich und in der Steiermark. (simo, DER STANDARD-Printausgabe, 30.05.2006)

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