Schädlingsbekämpfung ohne chemische Keule

6. Juni 2006, 16:56
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Die Ackerschmalwand verfügt über Anlagen für eine natürliche Mehltauresistenz - diese könnten auf Nutzpflanzen übertragbar sein

Köln - Forscher des Max-Planck-Instituts für Züchtungsforschung in Köln, der Stanford University, der Universität Halle und Universität Tübingen sowie des Forschungszentrums GSF entdeckten jetzt Anlagen für eine natürliche Mehltauresistenz bei der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana). Damit könne es in Zukunft möglich sein, Ernteschäden durch Mehltau gezielter und mit weniger Chemie zu bekämpfen.

"Seit 60 Jahren ist ein besonders wirksamer Resistenzmechanismus gegen den Mehltaupilz bei Gerstepflanzen bekannt", so Ralph Panstruga, Forscher am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung. Die so genannten mlo-Mutanten blockieren bereits in einem frühen Stadium alle Versuche des Mehltaupilzes, die Gerste zu befallen. Genetische Studien mit der Modellpflanze Arabidopsis thaliana zeigen, dass eine natürliche Mehltauresistenz vorliegt. Die Besonderheit der mlo-Resistenz ist, dass sie nicht durch die Anwesenheit eines Resistenzproteins, sondern durch die Abwesenheit eines Proteins hervorgerufen wird. Das Protein wird vermutlich von dem Pilzerreger als Eintrittspforte genutzt. Es müsse nun untersucht werden, welche Pflanzen diesen Gendefekt haben, so Panstruga.

Trotz intensiver Pflanzenschutzmaßnahmen gehen etwa 30 Prozent der Welternte durch Pflanzenkrankheiten verloren. Hohe Ernteverluste werden jährlich unter anderem durch den Mehltaupilz verursacht. In der Landwirtschaft wird die mlo-bedingte Mehltauresistenz bereits seit 25 Jahren intensiv genutzt, etwa 50 Prozent der angebauten Gerste-Kulturpflanzen haben diese Form der Resistenz. Die jetzt herausgefundene Resistenz bei der Pflanze Arabidopsis ist eine wichtige Erkenntnis dafür, dass es möglich ist, mlo-resistente Mutanten in jeder höheren Pflanzenspezies zu erzeugen. Momentan werde an Tomaten geforscht, erklärt Panstruga abschließend.(pte)

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