Regionalwahlen stärken Linksbündnis

9. Juni 2006, 15:58
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Ulivo-Bündnis stellt Bürgermeister in Rom, Neapel, Turin

Der neue Wahlgang in Italien hat am Wochenende dem seit zehn Tagen regierenden Premier Romano Prodi den Rücken gestärkt. Nach ersten Ergebnissen ist bei den Gemeinde- und Regionalwahlen die von Silvio Berlusconi angekündigte Revanche für die knappe Niederlage vor fünf Wochen mißglückt.

In Rom und Turin siegte das Ulivo-Bündnis nach Hochrechnungen mit rund 60 Prozent der Stimmen. In der Hauptstadt peilte der amtierenden Bürgermeister Walter Veltroni mit 59 Prozent einen klaren Erfolg im ersten Wahlgang an. Der bisherige Landwirtschaftsminister Gianni Alemanno von der Nationalen Allianz kam nur auf 38 Prozent.

Wahlbeteiligung

Veltroni hatte seine Stimme im Krankenhaus abgegeben, in das er wenige Tage vor der Wahl wegen akuter Nierenkoliken eingeliefert worden war.

Ein überwältigender Erfolg gelang Sergio Chiamparino in Turin. Der amtierende Bürgermeister der Olympiastadt kam auf 66 Prozent und deklassierte damit den bisherigen Kulturminister Rocco Buttiglione, der sich nach Hochrechnungen mit 30 Prozent der Stimmen begnügen mußte. Auch in Neapel schaffte die Ulivo-Bürgermeisterin Rosa Russo Jervolino trotz einer weiterer linken Liste den Erfolg im ersten Anlauf. Sie siegte mit 55 Prozent, ihr Gegenspieler Franco Malvano von Forza Italia kam auf 39 Pozent. In Mailand blieb nach Hochrechnungen der erwartete deutliche Sieg der Unterrichtsministerin Letizia Moratti aus.

Überraschung in Sizilien

In der seit vielen Jahren vom Rechtsbündnis regierten Finanz- und Wirtschaftsmetropole lag Moratti mit 50,3 Prozent überraschend knapp vor dem Kandidaten des Linksbündnisses Bruno Ferrante, der nur als Außenseiter gegolten hatte. Die Wahlbeteiligung war bei den Gemeindewahlen um 16 Prozent niedriger als bei den jüngsten Parlamentswahlen.

Eine Überraschung gab es auch bei den Regionalwahlen in Sizilien. Dort siegte erwartungsgemäß der amtierende Präsident Totò Cuffaro. Doch der Erfolg des Christdemokraten, gegen den wegen Zusammenarbeit mit der Mafia ermittelt wird, fiel mit 52,8 Prozent weit weniger deutlich als erwartet aus. Dagegen konnte seine Rivalin Rita Borsellino mit 42,4 Prozent einen Achtungserfolg erringen.

Die parteilose Schwester des von der Mafia ermorderten Richters Paolo Borsellino forderte einen kompromisslosen Kampf gegen das organisierte Verbrechen und den Abbau der politischen Klientelwirtschaft auf der Insel. Ihre Kandidatur war auch von Teilen des Linksbündnisses nur halbherzig unterstützt worden. Die Wahlbeteiligung war mit 59 Prozent so niedrig wie noch nie. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.5.2006)

Von Gerhard Mumelter aus Rom
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