Niederösterreich ist gerne Bankbesitzer

8. Juni 2006, 14:39
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Ab 1. Juli 2007 gehört die Hypo Niederösterreich wieder komplett dem Bundesland. Finanzlandesrat Sobotka: Kein Partnerzwang für Hypo

Wien – Während andere Bundesländer ihre Landesbanken privatisieren, geht das Reich von Erwin Pröll den umgekehrten Weg: Ab 1. Juli 2007 gehört die Hypo Niederösterreich wieder komplett dem Bundesland. Denn das Land kauft den 41-Prozent-Anteil von den Österreichischen Volksbanken (ÖVAG) bis zu diesem Termin um 125 Mio. Euro zurück.

Auf einer Pressekonferenz am Montag in Wien ließ Niederösterreichs Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka offen, ob das Land danach einen neuen Partner suchen wird. Abhängig von der zukünftigen strategischen Struktur der Hypo sei es auch möglich, dass auf einen Partner verzichtet wird. Das Land sei in der Lage, die Bank ebenso wie andere Beteiligungen verantwortungsvoll zu führen und unsaubere Spekulationsgeschäfte – wie zuletzt in Kärnten – zu vermeiden.

Unklar blieb die Finanzierung des Hypo- Kaufs: Der kleinere Teil wird aus einer Sonderdividende der Bank für 2006 an das Land finanziert, sagte Sobotka, ohne Zahlen zu nennen. Man werde die Bank finanziell nicht schwächen. Den Rest werde die Beteiligungsholding des Landes – deren Vermögen Sobotka mit rund einer Milliarde Euro bezifferte – mit Hilfe von Krediten und Veranlagungserlösen bezahlen. Das Ende des Syndikatsvertrags mit der ÖVAG werde den Wert der Bank automatisch steigern, betonte der Landesrat.

Kooperationsvertrag mit ÖVAG

Der Kooperationsvertrag der Hypo mit der ÖVAG bleibt aufrecht, und die Volksbanken, denen nun auch die Kommunalkredit gehört, bleiben in Niederösterreich gern gesehene Finanzdienstleister, sagte Sobotka.

Dem Verkauf gingen monatelange Turbulenzen voraus. Im Gegenzug zur Investkredit- Übernahme wollte die ÖVAG ihre Hypo-Anteile an die Raiffeisenbank Wien-NÖ verkaufen, als sich das Land querlegte und auf sein Vorkaufsrecht pochte. Laut ÖVAG-Chef Franz Pinkl erhält seine Gruppe vom Land annähernd den Preis, mit dem sie intern die Anteile bewertet hatte. Raiffeisen hätte dem Vernehmen nach 150 Mio. Euro bezahlt. (ef, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.5.2006)

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