Aus rund mach eckig

4. Juli 2006, 21:39
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Sloterdijk und dessen kongenialer "Sancho Pansa" Safranski suchten nach einer Wesens­be­stimmung des Phänomens Fußball

Philosophie und Fernsehen unterhalten untereinander eine Beziehung, die man nicht als Herzensgemeinschaft wird bezeichnen können. Denn kaum erhebt Gott Logos sein Ehrfurcht gebietendes Haupt, schürft der schütterhaarige Peter Sloterdijk auf der ZDF-Couch nach besonders sakral klingenden Worthervorbringungen – setzen bei der Masse der Zuschauer verlässlich folgende Beschwerden ein: Blasenschwäche und ein Daumenzucken, das die Allgemeinheit "Zappen" nennt.

In der letzten Ausgabe des in die Geisterstunde verbannten "Philosophischen Quartetts" suchten Sloterdijk und dessen kongenialer "Sancho Pansa" Rüdiger Safranski nach einer gehaltvollen Wesensbestimmung des Phänomens Fußball. Anstatt aber nun das Naheliegende auszumessen: festzustellen, dass das Runde in das Eckige hineinmuss, "wurscht, wie" (Max Merkel), hielt man sich an der kolossalen Einsicht, dass der Kasten (das Tor) ein sakrales Haus sei, dessen Begehung vom Türhüter (dem Torwart) vereitelt werde.

Seinsfrage des Goalkeeperlebens

Es hat also dieser gelehrten Disputation bedurft, um die Seinsfrage des Goalkeeperlebens neu zu bestimmen – und daraus auch gleich ein Sittengesetz abzuleiten. So hätte die Öffentlichkeit Oliver Kahn das Fremdgehen nie verziehen, weil ein Priester mit ausgeprägtem Reinlichkeitsbedürfnis so etwas eben nicht tue: basta.

Moment der "Erschöpfung"

Wolf Wondratschek trug bei, dass dem Balltreten das Moment der "Erschöpfung" fehle. Da hat Wondratschek freilich noch nie einem Hochamt des Ösi-Fußballs beigewohnt. (poh/DER STANDARD, Printausgabe, 30.5.2006)

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    Der Kasten (das Tor), ein sakrales Haus.

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