"Ob das wohl im Dunkeln leuchtet?"

28. Juli 2006, 16:33
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Bodypainting im Erst- und Selbstversuch: Körper in Flammen

Früher, als Kind, endeten meine Farbexperimente alle gleich: mit einem riesen Krach und ewig langen Weg- und Aufwaschaktionen im Badezimmer. Und jetzt, Jahre später, soll mir das Ganze Lob und Komplimente eintragen? Ein komisches Gefühl. Besonders, wenn einem im Vorfeld Gedanken wie "Also im Eva-Kostüm hüpf ich sicher nicht vor die Kamera" durch den Kopf gehen: Aber wenn ich mich schon als Testobjekt für einen Bodypainting-Selbstversuch zur Verfügung stelle, kann ich schwer nur den Handrücken hinhalten.

Also begann der Versuch mit Grübeln: Welche Körperstellen stelle ich zur Verfügung? Den Po? Muss nicht jeder sehen. Sicher: Der Airbrusher wäre ja motiviert gewesen – aber seine (ziemlich intensiven) Überzeugungsversuche fruchteten nichts: Ein bisserl "gschamig" wird man ja wohl noch sein dürfen – vor allem, wenn es außer fast anonymen "Nachher"- auch "Vorher"-Fotos geben soll.

Schlussendlich mussten Arm, Dekolletee und Hals dran glauben. Nächste Angsthürde: Tut das weh? Kriegt man Ausschlag? Ich erntete ein mildes, mitleidiges Lächeln. Und mit einem lauten "pfffft" – das Ding heißt nicht zufällig "Luftpinsel" – ging's los: Ein kühler, frischer Luftstrahl traf meine Haut.

Bildungsauftrag

Mein Unterarm wurde zyanblau. Nicht einfach "blau": zyanblau. Dann züngelten Flammen auf meinem Arm. Gemalt, versteht sich. "Krapprot- hell". Aha. Sage keiner, dass man beim Bodypainting nicht lernt. Langsam nahmen die Farbtupfer Gestalt an: Ich wurde zu Feuer und Flamme.

Aber je weiter die Farbe nach oben wanderte, umso schwieriger wurde das Still halten. Das ist sowieso nicht meines. Außerdem bin ich kitzlig – und das Gehirn sendete ständig den Befehl "Aufspringen und weglaufen" aus. Unterbrochen von Gedanken wie: "Leuchte ich jetzt im Dunkeln?" Sitzen geblieben bin ich dann aber trotzdem – und als das vergängliche Werk vollbracht war, war ich fast enttäuscht, dass der zweite Arm nackt geblieben war: Das Gefühl der Verwandlung ist verlockend und reizvoll – so als schlüpfe man in eine neue Haut und eine neue Rolle. Am Schluss war ich dann richtig mutig: Das nächste Mal, erklärte ich dem Mann mit dem Luftpinsel, käme mein ganzer Körper dran. Ganz bestimmt. Der Maler lächelte – und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er das nicht zum ersten Mal hörte. (DER STANDARD Printausgabe, 30. Mai 2006)

Von Alexandra Dasch
  • Artikelbild
    foto: hendrich
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