Was zählt, ist das Gänsehaut-Feeling

28. Juli 2006, 16:33
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Von der schlichten Veranstaltung zum supercoolen "Event" - "Globalisierung" ist das Schlagwort des Veranstaltungsbusiness

Worauf kommt es eigentlich an, um aus einer schlichten Veranstaltung einen supercoolen "Event" zu machen, von dem nicht nur nachher, sondern auch vorher alle reden? Die Eventszene boomt – und eine Ende des Inszenierungshypes ist nicht abzusehen. Aber auch im Veranstaltungsbusiness dürfte das Schlagwort der Zukunft "Globalisierung" lauten

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Beach Volleyball Grand Slam, Skydays oder die Massen-Maturareise X-Jam – sie alle sind Publikumsmagneten. Doch was ist das Erfolgsrezept? Was macht sie einzigartig? Oder genereller gefragt: Die Eventszene ist in den letzten Jahren explodiert. Groß- und Megaereignisse, wohin das Auge blickt. Egal, ob Menschen vom Himmel fallen, Schüler Abschluss feiern oder Volleyball_ spieler im Sand herumhüpfen – ohne begleitende Inszenierung, intensive Sponsorenauf_ tritte und "medienpartnerschaftliches" Kreuzfeuer läuft kaum etwas. Im Rahmen des Themenschwerpunktes "Events" wollte das Vote.IT-Team daher der Frage auf den Grund gehen, ob es ein garantiertes Erfolgsrezept geben kann.

"Klasse statt Masse" lautete dazu die spontane Antwort von Alexander Knechtsberger. Knechtsberger, bekannter unter dem Namen seiner Eventagentur DocLX, organisiert unter anderem die großen "X-Jam Deluxe"-Maturareisen. Dabei gehe es nicht nur um das – äh – "Bacardi-Feeling", sondern vor allem um ein unvergessliches Aben_ teuer: "Ein vielfältiges Actionangebot mit Unterstützung von ausgewählten Sponsoren ermöglicht eine einzigartige Programminszenierung", ist Knechtsbergers Credo. Und neben der – überprüfbaren – Qualität für den Konsumenten zähle Glaubwürdigkeit. Und Gespür: Um Marktführer zu bleiben, müsse man Trends am Eventsektor riechen. Was da gerade in der Luft liegt? "Ein großes neues Event-Reise- und ein Single-Event-Konzept." Aber mehr will Knechtsberger nicht verraten.

Luftige Visionen

Ein bisserl konkreter wird Michael Palliardi, der Organisator des Fallschirmfestivals "Skydays": "Gute Planung und ausreichendes Budget sind die Grundlage." Aber um 12.000 Zuschauer anzulocken, bedürfe es mehr: "Medienkooperationen und ein abgestimmter Medienmix aus TV, Hörfunk, Printartikeln, Flyern und Mails sind essenziell." Stimmt das Vorab-Medienfeuerwerk, "kommen die VIPs von ganz allein" – das sichert die begleitende Medienpräsenz, abseits der Actionbilder.

Immer größer wird aber dadurch auch der logistische und personelle Aufwand. Ein Event von der Größenordnung der "Skydays" braucht – von der Security über Sanitäter und Techniker bis hin zu Moderatoren – 500 bis 600 Mitarbeiter. "In Zukunft wird es daher notwendig sein, Events international auszurichten", erklärt Palliardi – das gelte auch für seine "Skydays".

Sandkisten-Megaerfolg

Die größte Sandkiste Österreichs, der Beach Volleyball Grand Slam in Klagenfurt, ist in dieser Richtung schon gut unterwegs: Hannes Jagerho_ fers Agentur Acts hat den Sport in Österreich groß gemacht – aber Beachvolleyball ist längst ein globales Ding.

Das Erfolgsrezept, verrät Acts-Geschäftsführer Reinhard Lischka, sei aber vor allem eine Frage der Einstellung: "Das Bekenntnisse zu innovativen Konzepten, der Sinn für außergewöhnliche Inszenierungen, die Lust am Querdenken sowie der Wille, Unmögliches möglich zu machen." Nach außen gehe es darum, "Emotionen anzusprechen, die Inszenierung muss unter die Haut gehen". (DER STANDARD Printausgabe, 30. Mai 2006)

Von Sonja Pöcksteiner und Sophie Reinhart
  • Artikelbild
    foto: doc lx
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