Johannes Huber sieht Biopatente nicht als Forschungshemmnis

6. Juni 2006, 18:50
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"Transparenz" und "Leistungsanreiz" - Defizite jedoch bezüglich der ethischen Komponente

Wien - Entgegen der Meinung zahlreicher Kritiker ist der Vorsitzende der Bioethik-Kommission beim Bundeskanzleramt, Johannes Huber, überzeugt, dass Biopatente die medizinische und biologische Forschung nicht behindern. Diese schaffen mehr Transparenz und dienen als Leistungsanreiz, so Huber anlässlich einer Pressekonferenz zur Tagung "Die Patentierung biotechnologischer Erfindungen. Aktuelle Debatte und Perspektiven", die am Montag und Dienstag in Wien über die Bühne geht.

So stehe es jedem Forscher frei, sich etwa mit einem bestimmten Brustkrebs-Gen zu beschäftigen, auch wenn dies mit einem Patent belegt ist. "Erst wenn aus den Forschungen ein finanzieller Nutzen gezogen werden soll, muss der Patent-Inhaber kontaktiert werden", so Huber, der selbst Gynäkologe und Reproduktionswissenschafter ist. Er ist weiters überzeugt, dass zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse ohne die Möglichkeit einer Patentierung nicht veröffentlicht worden wären.

Defizite im ethischen Bereich

Trotz seiner prinzipiellen Zustimmung zur Biopatent-Richtlinie ortet Huber aber auch Defizite, vor allem bezüglich der ethischen Komponente. "Jeder trägt die ethische Laterne vor sich her, keiner weiß, wie sie aussieht", so der Wissenschafter.

Im Rahmen der Konferenz werden die europaweiten Erfahrungen mit der so genannten Biopatent-Richtlinie diskutiert. Das Regelwerk ermöglicht auch eine Patentierung von biologischem Material, wenn dieses "mit Hilfe eines technischen Verfahrens aus seiner natürlichen Umgebung isoliert oder hergestellt wird, auch wenn es in der Natur schon vorhanden war". Ausnahmen sind "der menschliche Körper in den einzelnen Phasen seiner Entstehung und Entwicklung" oder "die bloße Entdeckung eines Bestandteils des menschlichen Körpers, einschließlich der Sequenz oder Teilsequenz eines Gens".

Schwerwiegende Bedenken bleiben

Die 1998 beschlossene Richtlinie wurde mittlerweile von allen EU-Staaten in nationales Recht umgesetzt, wenngleich teilweise mit erheblichen Verzögerungen. Kritiker bemängeln, dass Österreich im Gegensatz etwa zu Frankreich oder Italien die Richtlinie mehr oder weniger unverändert umgesetzt hat.

Dabei habe auch das EU-Parlament im Herbst auf Basis eines Berichts der Kommission "schwere Bedenken gegen maßgebliche Teile der Regelungen anerkannt und Änderungen gefordert", so Peter Weish, Präsident des Forums Wissenschaft und Umwelt in einer Aussendung am Montag. Die Kritik an den auch von Österreich übernommenen Regelungen richtet sich vor allem gegen das so genannte Stoffpatent, also die Möglichkeit der Patentierung von Gensequenzen in einer Form, wie sie im Körper natürlich vorkommen. (APA)

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