4. Juli 2006, 21:41
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Das "Wirtschaftsblatt" kann auf Normalisierung hoffen: Friktionen zwischen den Eigentümern Bonnier und Styria Medien AG verhinderten nach STANDARD-Informationen bisher, dass die Zeitung ein Budget für 2006 zustande brachte. Nun übernimmt die Styria zur "Kleinen Zeitung" und zur "Presse" auch die Mehrheit am "Wirtschaftsblatt".

Vergangenen Mittwoch mochte Styria-Chef Horst Pirker den Mitarbeitern seiner Zeitschriftenholding Styria Multi Media nur ganz allgemein von den Strategien seines Verlagshauses berichten, immerhin das zweitgrößte im Land. Am Freitag dann machte er laut Unternehmensinfo den nächsten Deal perfekt, um noch ein bisschen zu wachsen.

Gerüchte und Informationen über den Vollzug von Pirkers lang gehegten Plänen häuften sich in den vergangenen Wochen: DER STANDARD berichtete am 13. Mai von der kolportierten Einigung. Pirker damals: "Es ist noch immer jeder Weg möglich." In den vergangenen Tagen meldeten APA und Format die Einigung. Montag tat sie die Styria offiziell bekannt.

Der schwedische Verlagsriese Bonnier, der Verleger Chris Radda 1995 bei der Gründung der Spezialzeitung geholfen hat und seither beteiligt war, verkauft seine Anteile nach zähen Verhandlungen. Der Grazer Medienriese hält damit 98 Prozent am "Wirtschaftsblatt". Die übrigen zwei Prozent sind stimmrechtslose Aktien in Streubesitz. Sie stammen aus der Umwandlung von Verlustbeteiligungen, die das "Wirtschaftsblatt" (und andere Projekte Raddas) lange finanzieren halfen.

Die Styria gelangte an die erste Hälfte der Zeitung, indem sie die Zeitschriftenholding ETM, inzwischen Styria Multi Media kaufte. Der gehören auch Wiener, Wienerin, Diva und Skip.

Ursprünglich wollte sie "Die Presse" in die Mutterholding des Wirtschaftsblatt einbringen und so die Mehrheit übernehmen. Das Kartellgericht genehmigte einen solchen Deal 2005, stellte dafür aber Bedingungen: Zumindest fünf Jahre sind die beiden Titel und ihre Redaktionen getrennt zu führen, drei Jahre sind Rabatte für Anzeigenkombinationen eingeschränkt. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 30.5.2006)

Seite 2: Gasser neuer Vorstandsvorsitzender

Gasser neuer Vorstandsvorsitzender

Hans Gasser wird neuer Vorstandsvorsitzender der WirtschaftsBlatt Verlag AG. Sein Mandat als Vorsitzender des Vorstandes der Styria Multi Media legt er zurück. Die Zeitschriftentochter wird künftig von Michael Tillian als Alleinvorstand geführt.

Bonnier-CEO Vibjörn Madsen zieht neu in den Vorstand der WirtschaftsBlatt Verlag AG ein, um bis zur kartellrechtlichen Genehmigung der Transaktion die Eigentümerparität auch im Vorstand zu gewährleisten.

Andre Warnecke, seit September 2005 Vorstandsvorsitzender des "WirtschaftsBlatt", scheidet aus dem Vorstand aus. Der neue Vorstand der WirtschaftsBlatt Verlag AG besteht damit aus Gasser, Madsen und Wolfgang Unterhuber. (red)

Wissen: Die Styria

Die Styria Medien AG ist mit 451 Millionen Euro Umsatz drittgrößter Medienkonzern nach ORF (883 Millionen) und der Mediaprint ("Krone", "Kurier"/rund 500 Millionen). Sie gehört einer katholisch geprägten Grazer Stiftung. Wichtigster Gewinnbringer: "Kleine Zeitung" Steiermark/Kärnten. 12,2 Prozent der Österreicher ab 14 Jahren lesen sie - also Nummer zwei nach der "Krone" (44,9) und vor dem "Kurier" (11,3). "Die Presse" nehmen 4,8 Prozent (STANDARD: 5,8), das "Wirtschaftsblatt" 1,5.

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