Dollar wird zum Tabu-Wort

22. Juni 2006, 17:20
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Russische Minister könnten für die Verwendung des Wortes "Dollar" künftig zur Kasse gebeten werden: Öffentliche Summen dürfen nur noch in Rubel ausgedrückt werden

Moskau - Das russische Parlament stimmte in der veragngenen Woche in erster Lesung einem Gesetzesentwurf zu, der eine Geldstrafe für Regierungsmitglieder vorsieht, wenn diese öffentlich Summen in Dollar an Stelle von Rubel ausdrücken.

Image-Aufwertung

Mit dem Gesetz soll das Image des Rubels aufgewertet werden. Die Abgeordneten wollen zudem unterstreichen, dass die Zeiten der US-Währung in Russland vorbei seien. Wegen der galoppierenden Inflation entwickelte sich der Dollar seit den 90er Jahren mehr oder weniger zur inoffiziellen Währung des Landes. So schrieben einige Restaurants ihre Preise bereits in Dollar aus. Zuletzt legte der Rubel aber dank der Belebung der russischen Wirtschaft und der Bekämpfung der Inflation wieder kräftig zu.

"Polit-Thaeter"

Kritiker halten den Entwurf aber für nicht umsetzbar und werfen seinen Unterstützern vor, Polit-Theater zu betreiben. Möglicherweise soll das Gesetz auch auf Abgeordnete und die Medien ausgeweitet werden. Die Höhe der Geldstrafe steht noch nicht fest. Das Gesetz muss noch zwei weitere Lesungen im Parlament durchlaufen, entscheidende Änderungen werden aber nicht erwartet.

"Der Rubel rollt wieder. Der nächste Halt ist Berlin", sagte der für seine nationalistischen Äußerungen bekannte Abgeordnete Wladimir Schirinowski in Anspielung auf den siegreichen Vormarsch der Sowjet-Armee auf Deutschland im Zweiten Weltkrieg. In diesem Jahr hat der Rubel zum Dollar bereits 6,7 Prozent an Wert gewonnen. Präsident Wladimir Putin will Handelsrestriktionen der Währung im Juli aufheben. (APA/Reuters)

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