Ölpreis sinkt unter 70 Dollar

2. Juni 2006, 08:08
posten

Kehrtwende der USA im Iran-Konflikt - OPEC-Rohölpreis leicht gefallen

Singapur - Der Ölpreis ist am Donnerstag nach der überraschenden diplomatischen Kehrtwende der USA im Iran-Konflikt unter 70 Dollar je Barrel gesunken. Bereits am Mittwoch hatte die politische Entwicklung für Erleichterung am Ölmarkt gesorgt und die Preise sinken lassen.

Händler setzen offenbar kurzfristig auf eine Entspannung in dem Streit um das Atomprogramm der Islamischen Republik. Allerdings rechnete niemand mit einer schnellen Lösung des Konflikts.

Außenministertreffen in Wien

Der Iran ist nach eigenen Angaben nicht bereit, das Angebot unter den von den USA genannten Voraussetzungen anzunehmen. Mit Spannung blickten Anleger daher auf das Außenministertreffen der fünf UN-Veto-Mächte und Deutschlands in Wien, bei dem das weitere Vorgehen abgesprochen werden sollte.

In London verbilligte sich der Preis für ein Barrel (rund 159 Liter) der marktführenden Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli um gut 60 Cent auf 68,88 Dollar (53,53 Euro). Am Mittwoch war der Preis bereits in derselben Größenordnung gesunken, als US-Außenministerin Condoleezza Rice das Angebot an den Iran publik machte.

Die Sorge, dass der Iran - viertgrößter Ölexporteur der Welt - seine Ölreserven als Druckmittel gegen den Westen einsetzen könnte oder die Versorgung durch einen Militärschlag unterbrochen werden könnte, hatte zum jüngsten Höhenflug beim Ölpreis beigetragen: Allein seit Anfang des Jahres verteuerte sich Öl um 16 Prozent. Der Iran wird indes auch künftig ein Thema am Ölmarkt bleiben. "Dies löst die Situation zwischen den beiden nicht", sagte Gerard Burg, Volkswirt bei der National Australia Bank unter Verweis auf den Vorstoß der USA. "Ich sehe die Situation im Iran für die nächsten Monate weiter als Einflussfaktor", sagte er.

Weitere Impulse könnte der Handel von der Entscheidung der OPEC erhalten, die im Tagesverlauf erwartet wurde. Die Minister der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) entscheiden in Caracas in Venezuela, wie viel Öl das Kartell dem Markt künftig zur Verfügung stellen wird. Es wurde weitgehend damit gerechnet, dass die OPEC ihre Produktionsquoten unverändert lassen wird.

Auch wurden im Handelsverlauf Daten aus den USA zu den Benzinvorräten erwartet. Analysten gingen nicht davon aus, dass der Preisrückgang nachhaltig sein wird: offiziell beginnt am Donnerstag nämlich auch noch die Hurrikan-Saison in den USA. Wetter-Experten haben bereits eine turbulente Saison vorhergesagt.

Ölminister-Treffen

Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöle exportierender Länder (OPEC) ist im Vorfeld der OPEC-Konferenz am Donnerstag in Caracas laut Angaben des OPEC-Sekretariats in Wien leicht gesunken. Ein Barrel (159 Liter) OPEC-Öl kostete am Mittwoch 64,93 Dollar (50,46 Euro), ein Rückgang um fast einen halben Dollar gegenüber 65,41 Dollar am Dienstag.

In der Hauptstadt von Venezuela treffen am Donnerstag die Ölminister der OPEC zusammen. Das Kartell wird laut bisherigen Berichten die Förderquoten nicht verändern. Laut einem Bericht der "Financial Times" (FT) werde die OPEC in Venezuela an den Sudan und an Angola die Einladung zur Mitgliedschaft in dem Kartell aussprechen. Bisher haben die beiden afrikanischen Staaten einen Beobachterstatus innerhalb der OPEC inne.

Angola und der Sudan sind zwei der am schnellsten wachsenden Ölförderer weltweit. Angola hat seine Fördermenge in den vergangenen zehn Jahren um fast 80 Prozent auf heute 1,25 Millionen Barrel pro Tag ausgeweitet. Der Sudan produziert rund 360.000 Barrel pro Tag. Durch die Mitgliedschaft der beiden Länder stiege der Anteil der OPEC an der weltweiten Ölversorgung von derzeit 41 Prozent auf 43 Prozent. (APA/Reuters/dpa)

Share if you care.