Vorläufig geplatze Fusion OMV/Verbund Chance oder versäumte Chance?

29. Mai 2006, 11:32
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Was macht die Faszination der Fusion von Verbundgesellschaft und OMV aus? Warum sind viele, die davon unmittelbar gar nichts haben, dennoch für diese Fusion? - Von Caspar Einem

Manche sagen, es gehe darum einen europaweit wettbewerbsfähigen Konzern zu schaffen und denken zugleich, das neue Unternehmen wäre vor allem ein österreichisches. Österreich hätte so eine Karte in der Hand, um im Wettbewerb der Konzerne oder vielleicht bloß der Energieunternehmen mitzuspielen. Aber ist das wahr? Zum einen ist die OMV in ihrem Geschäft auch jetzt schon ein mittelgroßer Player in Mitteleuropa und braucht dafür den Verbund nicht. Zugleich ist sie nicht groß genug, um wirklich bei den Großen mitspielen zu können. Aber was macht das? Eine Übernahme durch ein größeres Unternehmen ist so lange nicht wahrscheinlich, als die ÖIAG mit ihren ca. 30% und die staatliche Vermögensverwaltung von Abu Dhabi IPIC mit ca. 14% geeint sind und als Aktionäre „drin“ bleiben. Einen besseren Schutz gegen eine feindliche Übernahme gibt es nicht. Aber österreichisch ist das Unternehmen bloß aufgrund seines Firmensitzes. Weder ist IPIC österreichisch, noch sind es die Aktionäre der Aktien im Streubesitz oder kleinerer Pakete (notwendigerweise). Und der durchschnittliche österreichische Steuerzahler, Wähler, Konsument, Autofahrer hat keinerlei Einfluss auf Unternehmensentscheidungen und keinerlei Vorteil aus dem Profit des Unternehmens. Und selbst wenn die OMV von einem weltweit tätigen Multi der Branche verschluckt werden sollte: glaubt irgend jemand, dass der dann kein Öl oder Gas in Österreich verkaufen würde?

Die Rolle des Staates?

Interessanter ist da doch eine andere Frage – und die ist auch im Falle der Verbundgesellschaft interessant: Sollte ein Staat nicht zumindest Verfügungsgewalt über zentrale Infrastruktureinrichtungen haben, die der Versorgung aller seiner Bürger dienen und garantiert dienen sollen? Wäre es etwa nicht sinnvoll, wenn der Staat zumindest Mehrheitseigentümer an den Öl- und Gaspipelines, allenfalls auch der Raffinerie Schwechat und ebenso des Hochspannungsnetzes und der heimischen Wasserkraftwerke wäre, um im Falle des Falles sicher stellen zu können, dass diese Einrichtungen im Interesse aller, fair und chancengleich genutzt werden? Übrigens: in der Frage der Verfügungsmacht über Österreichs Trinkwasserreserven ginge es nicht um den Verbund, sondern um die Bundesforste als größtem Grundstückseigentümer mit Wasserrechten.

Fusion mit Vorteilen

Für den Verbund hätte die Fusion einige Vorteile, vor allem die Auslandserfahrung der OMV und die Chance, so leichter Gasturbinenkraftwerke oder Wasserkraftwerke im Osten errichten zu können. Der Verbund kann aber auch so überleben, wenn auch bloß als nationaler Spieler. Seine weitgehend abgeschriebenen und daher sehr profitablen Wasserkraftwerke sind ein unglaublich gutes Geschäft und bleiben es.

Es spricht daher alles dafür, zunächst die Frage zu beantworten, was nützt den Menschen in Österreich, den BürgerInnen, den SteuerzahlerInnen, den KonsumentInnen am meisten und erst dann politisch zu entscheiden. Betriebswirtschaftlich kann man die Fusion argumentieren, sexy ist sie nicht, wie die Börsenkursentwicklung deutlich gezeigt hat und zeigt. So gesehen ist das (vorläufige) Scheitern durchaus eine Chance. Sich zu überlegen, was für wen gut ist.

"Fremde Feder" ist eine Kolumne auf derStandard.at für KommentatorInnen von außen. Caspar Einem, ehemaliger Wissenschafts-, Verkehrs- und Innenminister, ist Europasprecher der SPÖ und Vorsitzender des Bundes Sozialdemokratischer AkademikerInnen (BSA).
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