Schüssel will Verfassung retten und die Religion aufwerten

21. August 2006, 17:08
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Ratsvorsitzender gegen Asuweichen auf Verträge - "Christen nicht in Sakristei verstecken"

Wien - EU-Ratsvorsitzender Bundeskanzler Schüssel hat sich für die Rettung der europäischen Verfassung und für eine Aufwertung der Religion in Europa ausgesprochen. In einem Interview mit der Tageszeitung "Die Presse" sprach sich Schüssel dagegen aus, von der Idee einer europäischen Verfassung zugunsten einfacher Verträge abzugehen.

Ohne eine bessere Rechtsgrundlage komme man nicht aus, betonte der EU-Ratsvorsitzende. "In einem Zeitraum von zwei, vielleicht vier Präsidentschaften müssen wir jetzt ganz konkrete Schritte setzen, an deren Ende dann die endgültige Entscheidung zur Verfassung steht." Dass etwas Neues dazukommen müsse, sei klar. "Darüber zu reden, ist jetzt noch zu früh", so Schüssel.

Begründung der Werte

Zugleich betonte der Bundeskanzler, für ihn als Christen gebe es keinen Grund, "den Beitrag der christlichen Wurzeln für die europäische Bildung und Erziehung, für die europäischen Werte zu verleugnen". Vielleicht seien die Religionen gerade deshalb umso wichtiger, "weil wir die Begründung der Werte, die Europa ausmachen, immer wieder von neuem vornehmen müssen". Die Religionsgemeinschaften dürften "sich nicht in die Sakristei zurückdrängen lassen, sondern sollen aktiv an der Gestaltung der Welt teilhaben, freilich ohne dabei ein Interpretationsmonopol zu beanspruchen", meinte Schüssel.

Fehler und Defizite

Zum Thema Islam sagte der Bundeskanzler, die Erfahrungen in Österreich zeigten, wie wertvoll der interreligiöse Dialog und der Dialog mit den staatlichen Institutionen sei. In diesem Dialog müssten aber auch Fehler und Defizite angesprochen werden: "mangelnder Integrationswille, die Sprachdefizite - auch der religiösen Führer, dazu die Voraussetzungen für vernünftigen staatlich angebotenen Religionsunterricht, die Möglichkeiten der Interaktion und Kommunikation."

In Österreich gebe es die nötigen Ansprechpartner für diesen Dialog, für Europa könne er es jetzt nicht sagen, so Schüssel. Er sei neugierig auf das Treffen von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und ihm mit den religiösen Führern am Dienstag. (APA)

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