Heile, heile Segen

29. Jänner 2007, 14:32
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Ein kleines Einmaleins der korrekten Wundversorgung für alle, die im Falle von Verletzungen fachkundig reagieren wollen

Es ist meist eine Frage von Sekunden. Tausendmal hat man den Brotlaib geschnitten, und einmal rutscht man ab, die Klinge säbelt in den Zeigefinger, Blut schießt heraus, eine Wunde klafft. Andere Situationen: Kinder mit kurzen Hosen, die sich ihre Knie auf schmutzigen Böden wund schlagen, Menschen, die barfuß auf spitze Gegenstände treten oder von Tieren gebissen werden.

1. Wasser zum Reinigen

Sobald Blut fließt, besteht Handlungsbedarf. "Die meisten Menschen machen ihren einzigen Erste-Hilfe-Kurs im Zuge des Führerscheins und vergessen im Laufe der Zeit viel zu viel"sagt Harald Hertz, Primarius am Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus in Wien. Hausmittel wie Topfen, Puder oder Salben auf Verletzungen zu geben sind falsch, betont er, Wasser ist zum Reinigen das beste Mittel. Das ist die Regel Nummer eins.

2. Wunde einschätzen

Regel Nummer zwei: "Den Hausverstand beim Einschätzen der Schwere von Verletzungen walten lassen", sagt Roman Fleischhackl, Ausbildungsarzt beim Roten Kreuz, und empfiehlt bei Wunden, die mehr als zwei oder drei Zentimeter lang und einen halben tief sind, den Arzt aufzusuchen. Auch die Verletzungsstelle ist entscheidend: "Wunden im Gesicht - vor allem in Nähe der Augen - an Gelenken, Handrücken und in der Nähe von Geschlechtsorganen müssen untersucht werden", so Fleischhackl, und Unfall-Spezialist Hertz pflichtet ihm bei: "Wunden in der Nähe von Schleimbeuteln sind gefährlich, oft reicht ein Rosendorn, um Komplikationen zu verursachen" Die Frage der Tetanus-Impfung ist vor allem bei Bissverletzungen abzuklären.

3. Nicht wischen

Regel Nummer drei bei der Wundselbstversorgung: Wer Desinfektionsmittel aufträgt - Fleischhackl hält es nicht unbedingt für notwendig und sagt, Wasser reicht zur Reinigung - niemals wischen.
Wie Wunden im Krankenhaus versorgt werden? Je nach Schwere der Verletzung entscheidet der Arzt, ob ein pflasterähnlicher Steri-Strip ausreicht oder die Wunde genäht werden muss.

4. Mit Verbrennung ins Spital

Mit Verbrennungen sollten man grundsätzlich ins Spital. Gut ist, wenn verbrannte Körperpartien gleich nach der Verletzung unter kühles - aber keineswegs eiskaltes - Wasser gehalten werden.

Infektionsgefahr

Was der Körper nach einer Verletzung immer startet, ist sein Regenerationsprogramm. Zuerst stoppen die Blutplättchen den Blutfluss, verkrusten, und parallel beginnt die Bildung neuer Bindegewebszellen. Das größte Risiko beim Wundheilungsprozess sind Infektionen. Wenn die schützende Hautschicht durchbrochen ist, können Bakterien, die uns in vielfältigster Form umgeben, in den Körper eindringen, sich vermehren und den Heilungsprozess gefährden.

Alarmzeichen

Zeichen für einen guten Wundheilungsprozess ist ein hellroter Saum um die Verletzung. Wenn Wunden stark schmerzen, eitern oder sogar heiß werden, ist es ein Zeichen für Infektion und ein Signal, den Arzt aufzusuchen. Wenn es ein Keim schafft, sich im ganzen Körper zu verteilen, spricht man von Blutvergiftung - Schüttelfrost und Fieber sind eindeutige Signale. Dass ein von der Wunde ausgehender roter Strich diese Gefahr anzeigt, kann, muss aber nicht sein.

Schlechte Heilung<>

Es gibt Hautpartien wie an Brustbein oder Schulter, wo Heil- und Vernarbungsprozesse schwierig verlaufen. Und: Es gibt Menschen, die aufgrund von Veranlagung oder Krankheiten wie Diabetes oder Nierenfunktionsstörungen zu schlechter Wundheilung neigen.

Schöne Narben

"Bei vielen Wunden ist eine Versorgung durch den plastischen Chirurgen ein großer Vorteil", erklärt Rupert Koller, Primar am Wilhelminenspital und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästethetische und Rekonstruktive Chirurgie. Auch wenn Wunden schlecht verheilt sind, kann Koller bei der Narbenkorrektur helfen, bei funktionellen Beeinträchtigungen auf Krankenschein.

In speziellen Fällen kann schwierige Wundheilung heute auch durch autologes Thromobozyten-Gel gefördert werden. "Aus patienteneigenem Blut werden die Blutplättchen herausgefiltert und auf die Wunde aufgetragen", erläutert Barbara Zink, Chirurgin am LKH Klagenfurt, bei Verletzungen an Fußsohlen und Handflächen, und chronischen Wunden komme diese Behandlung zum Einsatz. Beruhigend ist, dass in den meisten Fällen der Körper über ausreichende Selbstheilungskräfte verfügt, um die Hautschicht zum Schutz vor Bakterien wieder aufzubauen. (Karin Pollak/Medstandard 28.05.2006)

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