"Weniger Gewicht heißt bares Geld"

8. Juni 2006, 15:47
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Kranbauer Palfinger will mit hochfesten Stählen superleichte Hebegeräte bauen

Lengau - Schneiden, biegen, schweißen, zwischendurch hämmern, feilen. Und immer wieder kontrollieren - bis es passt. Der Arbeitsablauf im Werk Lengau des Kranerzeugers Palfinger unterscheidet sich kaum von dem in anderen stahlverarbeitenden Unternehmen. Wenige aber haben es an die Weltspitze geschafft, wie es Palfinger mit seinen Knickarmkranen gelungen ist.

"Wir versuchen, der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein, neue Sachen zu entwickeln, Gewicht zu verringern," sagt Anton Graf, der seit vielen Jahren im Unternehmen ist. Ja, das Gewicht der Krane, das spiele eine immer größere Rolle. Denn je weniger ein am Lkw montierter Hebearm wiege, desto mehr könne der Lastwagenhalter zuladen. Graf: "Weniger Gewicht heißt nicht selten bares Geld".

Beginn in der Werkstatt

Begonnen hat alles vor 74 Jahren. 1932 sperrte Richard Palfinger, der Vater des jetzigen Mehrheitseigentümers Hubert Palfinger, im oberösterreichischen Schärding eine kleine Werkstätte auf. Dort wurden landwirtschaftliche Anhänger, Spezialmaschinen und verschiedene Hebewerkzeuge gebaut. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlegte Palfinger den Firmensitz nach Salzburg.

Der erste Kran wurde 1959 gefertigt, sieben Jahre später stand dann unter dem inzwischen in unternehmerische Verantwortung gekommenen Hubert Palfinger fest, das Unternehmen auf die Produktion von Lkw-Ladekrane zu trimmen. Lkw-Ladekrane sind noch immer der Hauptumsatzträger.

Im Werk Lengau, hart an der Grenze zum Bundesland Salzburg, aber bereits auf oberösterreichischem Boden gelegen, ist eine etwa 20 mal 30 Meter große Fläche freigeräumt worden. Dort sollen schon ab Sommer Ladebordwände montiert werden. Die Assemblierung im slowenischen Marburg wird aufgelassen, das Werk ganz auf Fertigung ausgerichtet (siehe Interview).

Hin und Her

"Ladebordwände haben wir früher hier schon einmal montiert, dann wurde nach Marburg verlagert, jetzt kommt's wieder zurück", sieht ein Arbeiter das Hin und Her relativ nüchtern. Ein anderer ist gerade dabei, eine Pistole mit Filzmunition zu laden, um damit Leitungsrohre sauber zu schießen. "Da gehen Flüssigkeiten durch, da darf kein Körnchen drin bleiben", sagt er, und schießt weiter. Herzstück des Werks ist der Stahlbau, wobei in letzter Zeit vermehrt hochfeste Stahle eingekauft werden, die Stabilität bei geringem Gewicht bieten. Hier werden auch Schubzylinder zum Aus- und Einfahren der Kranarme in Kleinserien gefertigt. Der Großteil der Zylinder wird aber in Bulgarien produziert.

Das Werk Lengau ist 1984 auf die grüne Wiese gesetzt worden. "Da gab's vorher absolut nichts", sagt Graf. Inzwischen rührt sich aber Widerstand. Bis zu 150 Lkw zwängen sich an Werktagen durch den engen Ortskern der 3000 Seelen-Gemeinde. Doch Entlastung ist in Sicht: Eine neue Umfahrung soll den Schwerverkehr am Ort vorbei direkt in das Palfingerwerk leiten.

Mit 500 Mitarbeitern ist Palfinger der größte Arbeitgeber der Region. Zehn Kilometer weiter ist KTM in Mattighofen. Dort sind aber deutlich weniger Leute beschäftigt.

Eingeklemmt

In Kasern bei Salzburg, wo früher einmal Krane in der Größenklasse zwischen zehn und 32 Metertonnen gebaut worden sind, sei es mit steigender Nachfrage zu eng geworden. "Wir waren in Salzburg eingeklemmt zwischen Westautobahn, Eisenbahn und Schrebergärten. Da gab es null Expansionsmöglichkeit. So haben wir uns entschieden, den Arbeitern, die früher aus Lengau, Braunau und anderen Orten zu uns nach Salzburg gependelt sind, entgegen zu kommen", sagt Firmenchef Wolfgang Anzengruber. Er war damals zwar noch nicht dabei, kennt die Geschichte aber aus dem Effeff.

In Kasern ist jetzt noch der Sitz der Verwaltung, in einem vor 2,5 Jahren errichteten Demo-Center werden Grußkunden und Händler geschult. Das Ersatzteillager mit mehr als 30.000 Komponenten wird im Auftrag von Palfinger vom Express- und Logistikunternehmen DHL gewartet. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.5.2006)

  • Zylinder, soweit das Auge reicht. Diese aus Stahl gefertigten Teile werden zum Ausfahren der Kranarme benötigt.
    foto: standard/strobl

    Zylinder, soweit das Auge reicht. Diese aus Stahl gefertigten Teile werden zum Ausfahren der Kranarme benötigt.

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