Kickende Bergbäuerinnen

4. Juli 2006, 21:39
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Arte führt beim Programmschwerpunkt zur Fußball-WM an unvermutete Orte ...

Arte führt beim Programmschwerpunkt zur Fußball-WM an unvermutete Orte. In "360° - Die Geo-Reportage" warf der Kultursender Samstagabend einen Blick auf Menschen, die nichts von der WM wissen, für die Fußball aber für Glück, Stolz, Selbstbewusstsein verantwortlich ist: In Peru, im 4000 Meter hoch gelegenen Bauerndörfchen Churubamba, haben sich Frauen zur Mannschaft formiert und treten gegen andere Dörfer und Städte an.

Über den Fußball führt die ausgewogene Reportage zu den Lebensumständen der Andenfrauen. Sie haben sich von den Männern ihr Recht auf Fußball erkämpft, als kurze Momente von Glück in einem Leben, das von bitterer Armut und immer währender Arbeit in den steilen Berghängen geprägt ist. Bäuerin Juana erzählt, dass sie bei der Geburt ihrer Zwillinge Mitleid mit den beiden empfunden habe. Leute glauben, sie hätte Böses getan, weil sie Zwillinge und ein behindertes Kind hat. Sie will, dass ihre Sprösslinge das Dorf hinter sich lassen.

Die Anden-Meisterschaft "Fulbito Andino" stärkt diese Frauen. Als Gruppe fordern sie Strom für ihr Dorf. Sie lernen bei den Spielen fremde Orte kennen. Es macht sie selbstbewusst, wenn sie als Indigene gegen Mestizinnen aus der Stadt gewinnen. In ihrer Tracht laufen sie über die Spielfelder, bunte und schwarze Röcke tanzen mit ihren Bewegungen um den Ball. Sie lachen, am Spielfeldrand musizieren Männer, der Schamane prophezeite zuvor den Sieg. Offenbar wird, was Wirtschafts- und Medienhype der WM mitunter vernebeln: Fußball funktioniert. (pum/DER STANDARD, Printausgabe, 29.5.2006)

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