Russischer Stahlbär zeigt Mittal Zähne

21. Juni 2006, 13:57
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Der russische Milliardär Mordaschow will nach der Fusion von Serverstal mit Arcelor eine beherrschende Position beim weltgrößten Stahlunternehmen einnehmen

Paris/Moskau - Die Übernahmeschlacht in der Welt-Stahlindustrie wird immer deftiger. Alexej Mordaschow, Chef der russischen Serverstal, will nach der Fusion mit Arcelor einen stärkeren Einfluss erlangen. Nach Ablauf der vereinbarten vierjährigen Sperrfrist strebe er eine Aufstockung seiner Beteiligung von 32 auf bis zu 45 Prozent durch Zukauf von Anteilen an, kündigte er am Wochenende in Gegenwart von Arcelor-Chef Guy Dollé in Moskau an.

Severstal bleibe ein in Russland börsennotiertes Unternehmen und werde seine Steuern dort zahlen. Das fusionierte Unternehmen soll in Zukunft als Arcelor-Tochter geführt werden.

Mittal schockiert

Der Stahlunternehmer Lakshmi Mittal, der den großteils in Streubesitz befindlichen Konzern Arcelor übernehmen will, hat sich unterdessen schockiert über die Pläne von Arcelor und Severstal geäußert. Das Arcelor-Management schaffe einen "Aktionärskern, der das freie Spiel des Marktes blockiert und die Kontrolle dieses europäischen Konzerns einer russischen Gesellschaft gibt", sagte Mittal der Zeitung Le Figaro. "Wir sind entschlossen, unsere Annäherung an Arcelor zu Ende zu führen." Das Kaufangebot bleibe bestehen.

28. Juni Stichtag für Aktionäre

Arcelor und Severstal erwarten die notwendigen Zustimmungen der internationalen Kartellämter bis Mitte Juli. Spätestens in sechs Wochen lägen die Genehmigungen der Aufsichtsbehörden der EU, Russlands und der USA vor, sagte Mordaschow. Die entsprechenden Anträge wolle man Anfang Juni einreichen, kündigte er an. Für Mitte Juni sei ein Treffen beider Unternehmen mit Investoren in der nordrussischen Stadt Tscherepowez, dem Hauptsitz von Severstal, geplant. Am 28. Juni sollen die Arcelor-Aktionäre über die Zukunft des luxemburgischen Stahlkochers entscheiden, dessen Führung mit Hilfe von Severstal eine Übernahme durch Mittal Steel verhindern will.

Mittal kritisierte, die Arcelor-Führung zwinge "die Aktionäre, die Kontrolle über ihren Konzern aufzugeben, ohne von einer Prämie zu profitieren." Die Vereinbarung mit Mordaschow sei "kein Angebot an die Aktionäre", sondern "eine Übernahme der Kontrolle unterhalb des aktuellen Aktienkurses von Arcelor", sagte Mittal. "Wenn Mordaschow die Kontrolle von Arcelor will, muss er ein Angebot für die Gesamtheit des Kapitals mit einer Prämie für die Aktionäre vorlegen."

Weitere Expansionsschritte

Mordaschow deutete weitere Expansionsschritte in Richtung Asien an. "Wir wollen dort wachsen, wo es noch möglich ist", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende und Mehrheitseigner von Severstal und verwies auf gemeinsame Strategien mit Arcelor: "In Bezug auf China haben wir ähnliche Pläne." Auch in Brasilien, Indien und Russland wolle man dazukaufen.

Arcelor und Severstal hatten sich am Freitag verbündet und die Bildung eines Stahlriesen mit einem Umsatz von 46 Milliarden Euro angekündigt. Dabei soll Mordaschow 295 Millionen neu auszugebende Arcelor-Aktien erhalten und damit zunächst 32 Prozent an Arcelor halten. Damit wäre er bereits mit Abstand der größte Einzelaktionär des fusionierten Unternehmens. Größter Arcelor-Aktionär ist bisher Luxemburg mit 5,6 Prozent; deutlich mehr als 80 Prozent sind im Streubesitz. (dpa, Reuters/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.5.2006)

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    Serverstal-Chef Alexej Mordaschow hegt mit Arcelor große Pläne.

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