Australien verstärkt Eingreiftruppe

2. Juni 2006, 16:12
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Gepanzerte Truppenfahrzeuge und Hubschrauber entsendet

Dili/Sydney - Um die chaotischen Zustände in Osttimor beenden zu können, hat die australische Regierung weitere Soldaten auf die 600 Kilometer entfernte Insel geschickt. Per Schiff kamen in der Nacht auf Sonntag 1300 australische Soldaten in der Hauptstadt Dili an, wo brandschatzende Banden am Vortag mit Macheten durch die Straßen gezogen waren. In den Vororten spielten sich noch immer "dramatische Szenen" ab, sagte der australische Kommandant General Mick Slater. Insgesamt sei die Lage aber ruhiger geworden. Nach Angaben des australischen Roten Kreuzes flohen bis zu 50.000 Menschen vor der Gewalt. UNO-Vertreter sagten am Sonntag, dass möglicherweise weitere ausländische Soldaten benötigt würden, um Dili unter Kontrolle zu bringen.

Mit der australischen Verstärkung ist die internationale Eingreiftruppe, die in Osttimor für Ruhe sorgen soll, knapp 2300 Mann stark. Neben Australien haben auch Neuseeland und Malaysia Soldaten entsandt; die frühere Kolonialmacht Portugal wollte sich ebenfalls an der Truppe beteiligen. Australien brachte mehrere Hubschrauber und 30 gepanzerte Truppenfahrzeuge nach Osttimor. Die Soldaten hätten damit begonnen, die marodierenden Banden zu entwaffnen, sagte General Slater. Die Soldaten sollen vor allem den Flughafen, den Hafen, das Büro der Vereinten Nationen und die Polizeiwachen sichern, wie das australische Verteidigungsministerium mitteilte. Sie sollen auch dabei helfen, Mitarbeiter der UNO in Sicherheit zu bringen. Die UNO hatte am Vortag beschlossen, alle Mitarbeiter aus dem Land abzuziehen, die nicht dringend gebraucht würden.

In Dili stürmten hunderte Menschen ein Lagerhaus und trugen säckeweise Reis davon. "Ich weiß, dass Sie hungrig sind", sagte der osttimoresische Außenminister und Friedensnobelpreisträger Jose Ramos Horta, der sich unter dem Schutz von Soldaten einen Weg durch die Menge gebahnt hatte. Die Leute hätten sich fast gegenseitig zertreten und umgebracht, sagte er vor Journalisten. (APA)

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