Bové will "kollektive Kampagne"leiten

8. Juni 2006, 13:54
2 Postings

Umfrage: Bauernführer kann bei Präsidentschaftswahl mit Stimmenanteil von neun Prozent rechnen

Paris - Der französische Globalisierungskritiker und Bauerngewerkschafter José Bové hat sich bereit erklärt, im Hinblick auf die Präsidenten- und Parlamentswahlen im nächsten Jahr an einer "kollektiven Kampagne" der EU-Verfassungsgegner teilzunehmen. Die Tatsache, dass in einer CSA-Umfrage jüngst neun Prozent der Befragten die Absicht bekundet haben, für Bove zu stimmen, "zeigt, dass eine Dynamik in diesem Sinne möglich ist", erklärte der Bauernführer gegenüber der Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche".

In Frankreich hatte sich vor einem Jahr eine Mehrheit in einer Volksabstimmung gegen den Europäischen Verfassungsvertrag ausgesprochen. Im Lager der Verfassungsgegner befanden sich neben der extremen Rechten auch die Kommunisten und Trotzkisten der Kommunistischen Revolutionären Liga (LCR) sowie Teile von Sozialisten (PS) und Grünen. "Vertreter der Linksparteien und Gewerkschaften haben bei einer gemeinsamen Versammlung vergangenen Mittwoch klar den Willen betont, einen einheitlichen Wahlkampf zu führen", sagte Bove.

Träger einer politischen alterntive

Nach Angaben der linken Pariser Tageszeitung "Liberation" ist Anfang der Woche eine Versammlung in Paris geplant, um über ein gemeinsames Wahlprojekt zu diskutieren. Fraglich ist es dabei, ob sich die verschiedenen politischen Kräfte auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können. Nach seinen persönlichen Ambitionen befragt, meine Bove: "Ich bin bereit, kollektiv einen Wahlkampf zu führen, um eine ähnliche Dynamik zu schaffen wie jene, die zum Nein zur EU-Verfassung geführt hat. Wir sind Träger einer politischen Alternative auf der Basis eines Programms des Bruches mit der Logik des allumfassenden Marktes."

Bove steht mit Aktionen gegen Gentechnik, Fast-Food-Ketten oder Chemiekonzerne seit etwa zehn Jahren im Mittelpunkt der Medienaufmerksamkeit in Frankreich. Seit 1998 verging kaum ein Jahr, in dem er nicht vor ein Strafgericht zitiert und aufgefordert wurde, die Gesetze zu achten, mehrmals saß er in Haft. In seinem programmatischen Buch "Le monde n'est pas une marchandise" (Die Welt ist keine Ware), schilderte er die Schwierigkeiten der französischen Landwirte und warnt vor den Folgen der Globalisierung.

Schon Ende der 1980er-Jahre half der von Marxismus und Anarchismus inspirierte Bove den Protest "Die Champs Elysee pflügen" in Paris gegen die europäische Agrarpolitik zu organisieren. Später machte der nunmehr 52-Jährige Hungerstreiks für höhere EU-Subventionen. 1995 protestierte er mit Greenpeace gegen Atomtests, bevor er sich gentechnisch veränderten Pflanzen zuwandte. 1999 verwüstete er mit seinem Traktor eine Baustelle für eine neue Filiale der Fast Food-Kette McDonald's im südfranzösischen Städtchen Millau. (APA)

Share if you care.