SPÖ wirft Mück "glatte Unwahrheit" vor

7. Juni 2006, 14:49
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Gusenbauer dementiert Behauptung, er hätte angekündigt, Mück "aus dem ORF zu entfernen" - Darabos fordert Richtigstellung

Die SPÖ weist entschieden die Behauptung von ORF-TV-Chefredaktuer Werner Mück zurück, wonach SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer angekündigt habe, er werde alles tun, um ihn, Mück, "aus dem ORF zu entfernen". "Das ist eine glatte Unwahrheit", erklärte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos dazu am Sonntag in einer Aussendung. Darabos forderte von Mück eine sofortige Richtigstellung.

Am Montag hat SPÖ-Parteichef Alfred Gusenbauer Mücks Behauptung zurückgewiesen. Aussagen darüber, wer im ORF arbeite oder arbeiten soll, habe er nicht getätigt. Daran, dass er den Chefredakteur für "einen der Haupttotengräber des ORF" hält, ließ Gusenbauer allerdings ebenfalls keinen Zweifel aufkommen.

Mück "politisiert"

"Dass Mück zu diesen Mitteln der Manipulation greift, zeigt, dass er sich als verlängerter Arm der ÖVP versteht", meinte Darabos. Das werde durch Mücks Offenen Brief auf Punkt und Beistrich bestätigt. Mück habe damit auch überdeutlich gezeigt, wie sehr er selbst politisiere. "Es stünde der ORF-Geschäftsführung besser an, darüber nachzudenken, wie sie das verlorene Vertrauen des Publikums zurückgewinnen will, anstatt zu politisieren und interne kritische Stimmen im Stile alter Sowjet-Funktionäre einzuschüchtern", sagte der SPÖ-Bundesgeschäftsführer. Er warf Mück auch vor, "offensichtlich sachlich und fachlich begründete Kritik" nicht zu vertragen. Die negativen Reaktion des Publikums und die Abwendung von immer mehr Menschen vom ORF zeigten, wie berechtigt diese Kritik sei.

Van der Bellen: Keine Debatte im TV, um ÖVP nicht zu schaden

Grünen-Chef Alexander Van der Bellen warf dem ORF vor, die Debatte über die Zukunft des ORF totzuschweigen, um der ÖVP nicht zu schaden.

Keine Unterstützung für Lindner

ORF-Generaldirektorin Monika Lindner sei, so Gusenbauer, ebenso wie Mück verantwortlich für den Misserfolg des ORF, der sich seiner Ansicht nach vor allem in sinkenden Einschaltquoten manifestiert. Lindner würde derzeit keinerlei Vorschläge zum Ausweg aus der Misere vorlegen, weshalb Gusenbauer eine Unterstützung der Generaldirektorin bei der für 17. August angesetzten Neu-Wahl der ORF-Geschäftsführung erneut ausschloss: "Ich sehe keinerlei Veranlassung dazu, eine derartige Erfolglosigkeit zu prolongieren," sagte er auf Nachfrage.

Die von "Zeit im Bild 2"-Moderator Armin Wolf losgetretene Debatte rund um die Unabhängigkeit und die internen Strukturen im ORF bezeichnete Gusenbauer als "sehr sinnvoll und dringend notwendig". Angesichts der Zuseherverluste müsse man darüber diskutieren, "in welchem Ausmaß der ORF seinem Auftrag nachkommt" und wie ausgewogen die Berichterstattung ist. Der Parteichef geht davon aus, dass die ORF-Causa in den kommenden Monaten auch den Nationalrat beschäftigen wird, wobei er sich zugleich gegen eine frühzeitige Politisierung der Diskussion aussprach. Die Debatte müsse "zunächst öffentlich geführt werden", sagte Gusenbauer und begrüßte in diesem Zusammenhang die Internetplattform "SOS ORF". (APA/red)

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