Mück nennt Fokussierung auf eigene Person "billig"

22. Juni 2006, 19:14
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Offener Brief des TV-Chefredakteurs: "Diskussion wird geführt, um mich zu verhindern" - Gusenbauer wolle Mück aus ORF entfernen

In der Debatte um die Unabhängigkeit des ORF hat nun TV-Chefredakteur Werner Mück das Wort ergriffen. Er gilt vielen Kritikern als Schlüsselfigur für eine partei- und regierungsnahe Berichterstattung in der Fernseh-Information, einige von ihnen zitiert auch das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner aktuellen Ausgabe. Mück reagierte in einem "Offenen Brief": "Es ist vordergründig, billig und leicht durchschaubar, die Debatte auf eine Person zu fokussieren."

Chefredakteuer verteilt nicht nur Urlaubszettel

Ein Kritikpunkt, den auch "Zeit im Bild 2"-Moderator Armin Wolf in seiner Rede zur Lage des ORF vor bald zwei Wochen aufgebracht hat, ist die zentrale Machtposition des Chefredakteurs. "Ich bleibe dabei: Unabhängiger Journalismus ist nicht primär eine Frage der Strukturen, sondern vor allem des Programms, der Ressourcen und der handelnden Personen", erklärte Mück dazu am Sonntag. "Ein Chefredakteur, der bloß Urlaubszettel unterschreibt, ist keiner. Nichts ist in Stein gemeißelt, auch nicht die derzeitige Struktur. Die Programmreform, die ich für unentbehrlich halte, wird unter der neuen Geschäftsführung auch eine Strukturreform zur Folge haben. Man muss kein Prophet sein, um das zu wissen."

Mück: Gusenbauer will mich aus ORF entfernen

Im Vorfeld der für 17. August angesetzten Neu-Wahl der ORF-Geschäftsführung wird Mück immer wieder als aussichtsreicher Kandidat für den Posten des Informationsdirektor genannt. Bei der nun laufenden ORF-Debatte geht es denn auch nach Ansicht des Chefredakteurs darum, "mich zu verhindern". Das habe ihm auch SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer vor wenigen Monaten persönlich angekündigt, und zwar mit der Aussage: "Ich werde alles tun, um Sie aus dem ORF zu entfernen." Für Mück eine "Brutal-Variante der persönlichen Bedrohung eines ORF-Journalisten", die für eine "Steinzeit" im ORF stehe.

"Suada der links-intellektuellen Outing-Stars des ORF"

In den im "profil" wiedergegebenen Berichten über das Agieren des Chefredakteurs sieht der eine "Suada der links-intellektuellen Outing-Stars des ORF": "Sie klagen über einen Chefredakteur, der gegen Kampagnenjournalismus auftritt, der Zeitungsmeldungen nicht ohne Re-Check auf Sendung gehen lässt, der die TV-Information nicht als Speer-Spitze der jeweiligen Oppositionsparteien sieht und der unter Unabhängigkeit der Journalisten mehr versteht, als freie Fahrt für freie Bürger - für deren Verkehrsunfälle dann übrigens die Vorgesetzten die Verantwortung tragen mögen." (APA)

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