"Collina wusste alles!"

17. Juli 2006, 15:11
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Auch italienischer Star-Schiri im Sog des Skan­dals, Ermittler verspricht: Unter­suchungen in drei Wochen abgeschlossen

Florenz - Im italienischen Fußball-Skandal wird jetzt auch der Name des früheren Star-Schiedsrichters Pierluigi Collina genannt, der lange Jahre als Garant des sauberen Fußballs in Land galt. "Collina wusste alles", titelte die Zeitung "La Gazzetta dello Sport" am Sonntag. Nach dem Bericht des Blattes soll der AC Milan Collina über die Machenschaften des Ex-Managers von Juventus Turin, Luciano Moggis, informiert haben. Außerdem soll Milan versucht haben, Collina einzuspannen, um die Macht Moggis durch eigene Einflussnahme auf Linienrichter einzudämmen.

Die neuen Enthüllungen aus Mailand bestätigten am Wochenende Moggis Einfluss auf die Auswahl der Schiedsrichter. Er kannte die Schiedsrichternamen schon vor der Auslosung, erzählte Ex-Juve-Trainer Carlo Ancelotti seinem damals neuen Arbeitgeber AC Milan. In abgehörten Telefongesprächen mit Milans Schiedsrichter-Beauftragten Leonardo Meani habe Collina dies zunächst als "Angeberei" abgetan, hieß es. Moggis Manipulationen und die Rolle seines nun für die WM zurückgezogenen Schiedsrichterkollegen Massimo De Santis müssten dem charismatischen Glatzkopf jedoch klar geworden sein.

"Wir werden vor nichts und niemandem Halt machen", versprach der kommissarische Präsident des italienischen Fußballverbands (FIGC), Guido Rossi, am Wochenende. Unterdessen bemühte sich Nationaltrainer Marcello Lippi seine "Azzurri" trotz der Sorgen um seinen ebenfalls von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Rom betroffenen Sohn Davide auf WM-Kurs zu bringen.

"Innerhalb von drei Wochen werden die Ermittlungen abgeschlossen sein", sagte der neue Chef des FIGC-Ermittlungsbüros, Francesco Saverio Borelli. Der ehemalige Mailänder Oberstaatsanwalt erwartet die Sportgerichts-Urteile bis zum 20. Juli, so dass Italien bis zur Auslosung der Europacupwettbewerbe am 27. und 28. Juli noch rechtzeitig seine Mannschaften nominieren kann.

Juves Zwangsabstieg wird immer wahrscheinlicher

Dass Rekordmeister Juve dann noch im Lostopf sein wird, glauben immer weniger, der Zwangsabstieg wird immer wahrscheinlicher. "Juve bereitet sich auf das Schlimmste vor", berichtete die "La Gazzetta dello Sport". Die neue Führung um Giampiero Boniperti (77) plane schon den Ausverkauf der Stars. Nur Kapitän Alessandro Del Piero habe dem Klub auch für die Serie B die Treue geschworen. Trainer Fabio Capello scheint den Fortgang der Ermittlungen abzuwarten, um sich dann zwischen Real Madrid und Juve zu entscheiden.

"Moggi war der Hirte und wir die Herde, die fraß, was er uns vorsetzte", berichtete Nationaltorwart Angelo Peruzzi von Moggis Allmacht. "Wir haben sicher eine besondere Situation", gab Nationaltrainer Lippi erstmals zu, dass der Fußball-Skandal die "Azzurri" durchaus in der WM-Vorbereitung störe. "Wir werden eine großartige WM spielen", gab sich Lippi dennoch optimistisch. Neben dem in den Wettskandal verwickelten Torwart Gianluigi Buffon ist er selbst am stärksten vom Skandal betroffen: Die Staatsanwaltschaft Rom eröffnete ein Ermittlungsverfahren gegen seinen Sohn Davide.

Als ehemaliger Mitarbeiter der Spielervermittlung GEA soll der Spieler mit Drohungen und Nötigungen zu Vertragsabschlüssen gezwungen haben. Die GEA gehört unter anderem Alessandro Moggi, dem Sohn des im Mittelpunkt des italienischen Fußball-Skandals stehenden Luciano Moggi. "Er hat ein reines Gewissen", nahm Lippi seinen Sohn in Schutz. "In diesem Land bist du schon verurteilt, wenn gegen dich ermittelt wird", klagte Lippi. (APA/dpa)

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