Nemsic schließt Mobilkom-Verkauf nicht aus

12. Juni 2006, 14:41
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"trend": Telekom Austria-Chef fordert das Ende der Preisregulierung

Der neue Telekom-Austria-Generaldirektor Boris Nemsic will einen Verkauf der TA-Tochter Mobilkom in seiner Amtszeit nicht ausschließen, sagt Nemsic in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "trend" in der am Dienstag erscheinenden Ausgabe.

Argumente

Die Idee des Mobilkom-Verkaufs sei zwar "nie in eine Phase gekommen, in der man das ernsthaft verfolgt hätte". Auch glaubt Nemsic, dass "das Unternehmen mit Festnetz und Mobilfunk besser aufgestellt ist. Deswegen sind andere Optionen im Moment hinfällig." Auf die Frage, ob er daher den Verkauf der Mobilkom ausschließen könne, meinte Nemsic allerdings: "Ich kann nichts ausschließen. Schließlich ist bei so großen Veränderungen nicht immer das Management ausschlaggebend."

Regulierung

Zu dem Verhältnis der TA zum Regulator meint Nemsic: "Zumindest bestimmte Tätigkeiten des Regulators müssen abgeschafft werden, zum Beispiel die Preisregulierung. Wir haben bereits einen starken Wettbewerb." Den Vorwurf der Konkurrenz, dass der Regulator ohnedies TA und Mobilkom bevorzuge, beantwortet Nemsic so: "Es ist ja besonders pikant, dass sich Unternehmen globaler Größe wie eine Hutchison oder eine T-Mobile von einem kleinen österreichischen Netzbetreiber sponsern lassen. Das ist ja jenseitig. Hutchison, eines der reichsten Unternehmen der Welt, jammert, dass es Unterstützung in Österreich braucht, lässt sich hunderte Millionen in Form von Frequenzen und Sendestationen von der europäischen und österreichischen Regulierung schenken - und wir sind die Bösen. Das ist doch absurd. Wir kriegen vom Regulator immer eins auf die Birne, weil wir in dem kleinen Land die größten sind, und die anderen machen ihre fetten Gewinne im Ausland und betreiben Quersubventionierung."

Vorteile?

Zum Vorwurf, die Mobilkom hätte es als ehemaliger Staatsmonopolist leichter als die Konkurrenten, meint Nemsic: "Der erste profitiert immer von dem Startvorteil, aber das ist so etwas von minimal. Wenn wir seither nicht gut gewesen wären, wären wir zehn Mal von den anderen überholt worden. Es ist kein Zeichen der Stärke, wenn alle jammern, wir hätten einen Startvorteil gehabt."

Investitionen

Und auch den Vorteil für den Festnetzbereich der TA durch das Netz in alle Haushalte relativiert Nemsic: "Unsere geschätzten Mitbewerber haben ihren Marktanteil durch regulatorische Entscheidungen schlicht und einfach bekommen. Wer hat ihnen verboten zu investieren? Wir investieren im Festnetz jährlich 300 Millionen Euro in Österreich. Wir kämpfen gegen europaweite Unternehmen. Tele2 ist ein Unternehmen, das in 24 Ländern Europas tätig ist. Wie viel investieren sie in Österreich: Acht Millionen im Jahr? Und dann sollen sie dafür noch belohnt werden? Da muss man schon einmal von diesem Dogma, wonach alles, was staatlich war, schlimm ist, abgehen."

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    Telekom Austria-Boss Boris Nemsic

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