Italien kündigt Rückzug für 2006 an

1. Juni 2006, 07:32
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Treffen zwischen Rice und D'Alema im Juni - Bereits im Juni soll Kontingent auf 1.600 Mann verringert werden

Rom/Klosterneuburg - US-Außenministerin Condoleezza Rice wird in der ersten Junihälfte mit ihrem italienischen Amtskollegen Massimo D'Alema über den italienischen Truppenabzug aus dem Irak beraten. Zwar stünden noch nicht alle Themen für das am 12. Juni in Washington geplante Treffen fest, verlautete aus dem römischen Außenministerium am Wochenende. Italiens abgewählter Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte 2003 mehr als dreitausend Soldaten in den Irak geschickt. Die nunmehr regierende Mitte-Links-Allianz unter Premier Romano Prodi hatte die italienische Beteiligung an der Irak-Besetzung von Anfang an als "schweren Fehler" verurteilt und der Berlusconi-Regierung "Unterwürfigkeit" gegenüber den USA vorgeworfen.

D'Alema kündigte am Samstag in Klosterneuburg vor italienischen Journalisten ein Treffen mit Rice am 12. Juni in Washington an. Einen genauen Plan für den Irak-Abzug gebe es nicht, erklärte er. Das italienische Irak-Kontingent ist im Süden des Landes in Nassiriya stationiert. Bei einem Anschlag waren zuletzt vier italienische Soldaten ums Leben gekommen. Im November 2004 wurden 19 Italiener getötet. Nach den Worten von Außenminister und Vizepremier Massimo D'Alema will Italien seine Soldaten bis Jahresende aus dem Irak abziehen. Noch im Juni werde das bisherige Kontingent von etwa 2700 Mann auf 1600 verringert, sagte D'Alema der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" laut deren Internetausgabe vom Samstag. "Ende des Jahres wird unsere militärische Präsenz im Irak beendet sein." Der Abzug werde mit der neuen demokratischen Regierung im Irak und mit den USA abgestimmt, fügte er hinzu. Das militärische Engagement solle durch ein ziviles ersetzt werden. Italien werde "die Regierung des Irak in ihrem so schwierigen Bemühen, stabile Institutionen zu schaffen, nach Kräften unterstützen".

Die italienischen Truppen würden nicht so schnell abgezogen wie die spanischen nach dem Wahlsieg des Sozialisten Jose Luis Rodriguez Zapatero 2004. "Es wird keine Flucht geben", sagte D'Alema. Die römische Tageszeitung "La Repubblica" schrieb am Samstag, die Regierung wolle voraussichtlich bis Oktober alle italienischen Soldaten aus dem Irak abziehen. D'Alema und Verteidigungsminister Arturo Parisi hätten diesen Zeitplan beschlossen. Offiziell werde Ministerpräsident Prodi die Pläne im Juni vorstellen, wenn das Parlament über eine weitere Finanzierung der Mission "Antikes Babylonien" entscheiden muss. (APA/Reuters)

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