Netztarife sinken ab 2007

29. Juni 2006, 15:36
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Regulator Boltz: "Strompreise sollten sinken" - Netztarife sinken um bis zu 5,45 Prozent

Wien - Der durch einen Schulterschluss der Landeshauptleute vorerst geplatzte Zusammenschluss von OMV und Verbund zu einem Energiekonzern europäischen Formats hat vor allem in Wirtschaftskreisen den Ruf nach niedrigeren Strompreisen laut werden lassen. Die Landeshauptleute sollten entsprechend Druck auf ihre jeweiligen Landesenergieversorger machen.

Fix ist nur, dass die Netztarife weiter sinken werden, die etwa ein Drittel der Stromrechnung ausmachen. Ende des Vorjahres haben sich die Energie-Control-Kommission als zuständige Regulierungsbehörde mit dem Interessenverband der Stromwirtschaft VEÖ auf ein Benchmark-Modell geeinigt, das die bisherigen jährlichen Tariffestsetzungen ablöst.

"Das waren nicht ganz friktionsfreie Verhandlungen, aber wir haben es schlussendlich geschafft", sagte Energieregulator Walter Boltz dem STANDARD. Für alle Netzbetreiber gilt künftig ein genereller Abschlag von 1,95 Prozent pro Jahr, der die Produktivitätsentwicklung widerspiegeln soll. Zusätzlich gibt es einen Effizienzabschlag, der aus einem Vergleich der Unternehmen untereinander ermittelt wird. Dieser Abschlag ist mit höchstens 3,5 Prozent pro Jahr begrenzt. Nach Angaben von Boltz wird die Netztarifsenkung per 1. Jänner 2007 je nach Unternehmen bis zu 5,45 Prozent betragen. Bei rund zwei Mrd. Euro, die pro Jahr von Haushalten, Industrie und Gewerbe in Österreich an "Strommaut" bezahlt werden, könnte sich die Einsparung in Summe bei rund 80 Mio. Euro bewegen, sagte Boltz.

In der Anfangszeit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 2000 seien Österreichs Netztarife "im guten oberen Drittel" der EU gelegen, sagte Boltz. Inzwischen sei man "nicht mehr weit weg vom EU-Durchschnitt". Österreichs Stromfirmen wurde wiederholt vorgeworfen, die Netztarife künstlich hoch zu halten, um Auslandskonkurrenz fern zu halten. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.5.2006)

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