Gier regiert weiter

30. Juli 2006, 19:38
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Im Enron-Prozess waren nicht nur zwei hochmütige Manager angeklagt, sondern eine ganze Ära - Von Eric Frey

Einhelliger Applaus begleitet die Verurteilung der beiden ehemaligen Enron-Chefs Kenneth Lay und Jeffrey Skilling, denen nun jahrelange, möglicherweise sogar lebenslange Haftstrafen drohen. Niemand zeigt Mitleid für die beiden, die zum Symbol für Betrug und Korruption in den amerikanischen Vorstandsetagen geworden sind. Für das europäische Rechtsempfinden sind die angedrohten Strafen viel zu hoch, aber in diesem Prozess waren nicht nur zwei hochmütige Manager angeklagt, sondern eine ganze Ära, die Amerika so rasch wie möglich vergessen will.

Doch selbst wenn Lay und Skilling auf dem Scheiterhaufen brennen würden - das Problem der Bilanzfälschungen wäre damit nicht gelöst. Immer noch bieten die Buchführungsregeln viel Spielraum für kreative Gestaltung bis hin zum Missbrauch. Das gilt für Europa (siehe Bawag und Hypo Alpe-Adria) genauso wie für die USA, aber das amerikanische US-GAAP, das fixe Regeln vorgibt, ist anfälliger für Umgehungen als das europäische IAS mit seiner Präferenz für allgemeine Grundsätze.

Dank des Sarbanes-Oxley-Gesetzes, das infolge der Enron- und Worldcom-Skandale übereilt verabschiedet wurde, müssen amerikanische Vorstandschefs nun einen Eid auf ihre Bilanzen ablegen, was sie inzwischen bereitwillig tun. Schwerer wiegen die ausführlichen Vorschriften für interne Kontrollmechanismen, die gerade kleineren Unternehmen an den US-Börsen teuer zu stehen kommen.

Indes regiert in vielen US-Unternehmen schon wieder - oder noch immer - die Gier, was sich an überhöhten Gehältern und Pfründen, wie dem privaten Gebrauch von Firmenjets, ablesen lässt. In einer solchen Atmosphäre lassen sich Bilanzskandale auch mit drakonischen Strafen nicht vermeiden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.5.2006)

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